Die Wertewelten des amerikanischen Präsidenten und seines Landes im Oktober 2018

Die am 06.November in den USA stattfindenden Wahlen zum Repräsentantenhaus stellen in der parlamentarischen Tradition der USA ein Stimmungsbarometer für den amtierenden Präsidenten dar. Dieser Nebenaspekt der Wahl bekommt in der derzeitigen politischen Stimmungslage der USA im Bezug auf Präsident Donald Trump ein besonderes Gewicht. Gegen alle politische Erfahrung hat der derzeitige Präsident der USA seine Wahlkampfpropaganda in sein überraschend gewonnenes Amt mitgenommen und er versucht, seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf Punkt für Punkt in administrative Maßnahmen umzusetzen. Hierdurch ist eine Frontstellung zur politischen Opposition entstanden, die auch auf den Straßen sichtbar wird und nur noch einen Minimalkonsens in Fragen der nationalen Sicherheit erkennen läßt. Aus dieser Situation hereaus wird von demokratischen Politikern unverhohlen auf die Absetzung des Präsidenten eingestimmt.

Die Totalität der beschriebenen Situation begründet den Bedarf an rationalen Beurteilungsgrundlagen, die eine Rückführung der emotional aufgeheizten Stimmung auf demokratische Regeln möglich machen. Hierzu möchte ich mit einer internetbasierten Anwendung der in diesem Projekt vorgestellten Methode einen Weg andeuten, auf dem der von allen Präsidenten der USA in der jüngeren Geschichte formulierte Anspruch einer moralischen und politischen Führungsrolle Wirklichkeit werden kann.

In einem ersten Schritt möchte ich die Situation im Vergleich mit Deutschland und anderen europäischen Ländern darstellen und so den Facettenreichtum staatlicher Gebilde beschreiben.

Abb. 1 Vergleich der Wertewelten von Deutschland und USA

Aus der Grafik ist eine Situation der USA ablesbar, die sich deutlich von Deutschland und der Mehrzahl der europäischen Staaten absetzt. Das für die Industrieländer der westlichen Welt charakteristische Wertesystem ist Orange, flankiert von deutlich ausgeprägten Einflüssen von blauen und grünen Wertesystemen. Die drei Wertesysteme Blau, Orange und Grün repräsentieren die zur Funktion von modernen Staaten erforderlichen Qualitäten der Machtverteilung und Ordnung (Blau), der Entfaltung der Individuen in einer Kultur der Aufklärung  und der Entstehung sozialen Wohlergehens mit dem Aufkeimen kollektiven Bewusstseins (Grün). Die Situation einiger wichtiger Staaten in Europa ist für die vier dominierenden Wertesysteme der 1. Ordnung in der folgenden Gallerie zusammengestellt.

Ein Vergleich der USA mit den europäischen Ländern lässt deutliche Unterschiede erkennen. Das beherrschende Muster wird das relativ starke Orange gegenüber deutlich schächerem Blau und Grün gebildet. Lediglich Norwegen und Russland weichen hiervon deutlich ab. Diese Länder nehmen aus wirtschaftlich-geografischen Gründen (Norwegen) bzw. aus historischen und geografischen Gründen (Russland)  Sonderstellungen ein. Diese Gründe spiegeln sich in der Betonung eines dem Orange gleichwertigen Grün bzw. eines dominierenden Blau bezüglich Russland wider. Die geringe Bevölkerungsdichte Norwegens in Verbindung mit großen Energiereserven lassen eine breite Streuung des gesellschaftlichen Reichtums zu, wodurch Norwegen auf dem ersten Rang des globalen Entwicklungsindex steht. Hinsichtlich Russland stellen die zum Staatsgebiet gehörenden riesigen asiatischen  Landmassen eine geografische Herausforderung dar neben der verzögerten Anbindung an die aufgeklärten Länder Mittel- und Westeuropas.

Das für die USA abgebildete Muster der Wertewelten enthält ein überdimensioniertes Grün, relativ starke Anteile von Rot und Gelb und ein schwaches Orange. Obwohl im Vergleich zu den europäischen Ländern eine starke Beteiligung von Energien der 2. Ordnung zu sehen ist, kann nicht von einer Durchdringung der Entwicklungsspirale mit transzendenten geistigen Energien höherer Ordnung ausgegangen werden. Es kann von einem Entwicklungsstau gesprochen werden, der durch das überdimensionale Wachstum von relativistischem Grün und die geringe Transzendenz der Menschen auf der Handlungsebene zur neuen Weltsicht der zweiten Ordnung in Gelb und Türkis zum Ausdruck kommt. Diesen Übergang bezeichnet Ken Wilber als das Entstehen einer integral-aperspektivischen Bewusstseinsstruktur und er zitiert den Bewusstseinsforscher Jean Gebser: »Keine dieser Mutationen im Bewusstsein läßt frühere Möglichkeiten und Eigenschaften verlorengehen, sondern inkorporiert diese urplötzlich in eine neue Struktur. Innerhalb dieser Bewusstseinsmutationen kommt es zu einem mehr als bloß raumzeitlichen Umarrangieren, einem diskontinuierlichen oder sprunghaften Prozeß. Mit jeder neuen Mutation entfaltet sich das Bewusstsein noch machtvoller…« Auf dieser Bewusstseinsstufe werden alle Widersprüche innerhalb der Handlungsebenen in Beige bis Grün integriert und zu einer dynamischen Entwicklung gebracht. Es handelt sich also um ein holistisches Fortschrittsmodell, das mit den Kräften arbeitet, die auf der Handlungsebene existieren. In der beschriebenen Konstellation besteht die Gefahr der Regression in frühere Wertesysteme wie z. B. Rot, das bereits vergleichsweise stark ausgeprägt ist und auf Grund der liberalen Waffengesetze der USA zu Gewaltdelikten verleitet.

Als Führungsmacht auf globaler Ebene sind die hiervon ausgehenden Einflüsse auf die Wertewelten der USA nicht zu übersehen und für die globale Staatengemeinschaft von großer Bedeutung.

WMeme der USA in globaler Sicht

Abb. 2 Die Wertewelten der USA im Oktober 2018 auf der globalen Ebene.

Diese Bedeutung kommt in gravierenden Verschiebungen innerhalb der Wertestrukturen zum Tragen. Das in dem Selbstbild überdimensionierte Grün ist zwar immer noch das stärkste Wertesystem, etwa gleich stark wie Orange, jedoch unter stärkerer Beteiligung von Blau und Türkis. Hierin zeigt sich trotz der eingeleiteten Rückzugsbemühungen der USA der nach wie vor bestehende Verpflechtung mit der Weltgemeinschaft, in der die durch Orange repräsentierten Finanz-, Wirtschafts-, Technik- und Forschungsaktivitäten des Landes unter dem verstärkten Einfluss von Gelb und Türkis eine ausschlaggebende Rolle spielen. Während in dieser Sicht der Einfluss von Blau unverändert und im Verhältnis zu Grün gering ist, wird der Einfluss von Rot auf der internationalen Ebene geringer. Die Kernaussage der beschriebenen Verschiebungen besteht darin, dass zwischen der individuellen Weltsicht der Amerikaner, die im wesentlichen auf das eigene Land beschränkt ist und der Sicht auf die USA als Teil der Weltgemeinschaft große Unterschiede bestehen, die sich in den Wertesystemen Orange und Grün zeigen.

Wie verhält sich nun der derzeitige Präsident und die von ihm vertretene Politik zu den Grundbedingungen des Landes?

WMeme von Donald Trump in US-amerikanischer Sicht

 Abb. 3 Die Wertewelten des amerikanischen Präsidenten im Oktober 2018 in der Perspektive der USA.

Aus der Sicht der Bewohner der USA besteht nahezu Deckungsgleichheit zwischen den Innensichten der Wertewelten von Präsident und Land. Das überdimensionierte Grün ist nahezu gleich stark ausgebildet, Orange und Blau sind etwas schächer, Rot ist gleich geblieben, Beige und Purpur kommen hier zum Vorschein und Gelb ist etwas schwächer. Insgesamt zeigt sich hier die Wirkung des Präsidenten als unorthodoxer politischer Führer, der es in etwas mehr als einem Jahr verstanden hat, einen Gleichklang zwischen sich und seinem Land herzustellen, wobei zunächst offen bleibt, ob sich die Amerikaner mehr ihrem Präsidenten oder der Präsident sich dem Volk mehr angenähert hat. Der in den Grafiken abzulesende Gleichklang enthält auch die Dissonanzen, die sich in vielen öffentlichen Meinungsbekundungen seit Beginn der Amtszeit des Präsidenten Bahn gebrochen haben und als ein Ausdruck des überdimensionierten Grün sind. Aus der in Grün begründeten Exklusivität ist die in den USA zu beobachtende Lagerbildung zwischen Anhängern der Republikaner auf der Seite des Präsidenten und den Anhängern der Demokraten zu erklären. Besonders zu erwähnen ist darüber hinaus der hohe Anteil von Beige, der sich nur in der Wertewelt des Präsidenten zeigt und der einerseits als Ansprache der in Existenznot befindlichen Bevölkerungsteile durch den Präsidenten erklärbar ist, andererseits aber auch als Reaktion auf handels- und wirtschaftspolitische Entscheidungen des Präsidenten (Handelskrieg) zu interpretieren ist. Neben Beige ist auch das im irrationalen Denken verhaftete Purpur zu erwähnen, dass auf neue Methoden politischer Meinungsmache hinweist, die treffend mit dem vom Präsidenten gern benutzten Schlagwort Fake-News umschrieben werden.

WMeme von Donald Trump in globaler Sicht

Abb. 4 Die globale Wertewelt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Oktober 2018

In der globalen Sicht auf die Wertewelten des amerikanischen Präsidenten wird die beschriebene Wertestruktur bestätigt. Sie zeigt deutliche Unterschiede zwischen Abb. 2 und 4 und sie bedeuten einen doppelten Blick der Weltgemeinschaft auf die USA, der eine Unschärfe in den Außenbeziehungen der USA darstellt. Hier fehlen die zuvor angemerkten Anteile von Beige, Purpur sowie Rot, Gelb und Türkis in wesentlich geringeren Anteilen, so dass hierin die zuvor erläuterten Hintergründe ihre Bestätigung finden.

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Deutschland nach der Wahl in Bayern – vor der Landtagswahl in Hessen 2018

Parteiprogramme und Wahlhilfen wie Wahl-O-Mat sind eine Sache, die der Volksweisheit gehorchen: „Papier ist geduldig„. Parteiprogramme landen spätestens am Wahlabend in den Archiven der Parteizentralen und haben als Druckerzeugnisse in Papiercontainern ihr trauriges Ende gefunden. Darüber hinaus hat sich bei der Landtagswahl in Bayern gezeigt, dass die Einflüsse aus der Bundespolitik und die entsprechenden irrationalen Kampagnen der Parteien die Landespolitik in den Schatten stellen. Daher ist es sinnvoll, das bundespolitische Werteprofil der Parteien mitzubetrachten. Es erscheint mir auch informativer zu sein, die zur Wahl stehenden Politiker danach zu beurteilen, welche Alleinstellungsmerkmale sie in den Vordergrund zu rücken versuchen, als sich auf wohlfeile Versprechungen in Wahlprogrammen zu verlassen, die in Koalitionsverhandlungen nichts mehr wert sind.

In diesem Beitrag versuche ich, die Erfahrungen der gerade stattgefundenen Landtagswahl und die Situation vor der Landtagswahl in einen Gesamtzusammenhang zu stellen und darüber hinaus die politischen Schwerpunkt-Themen der zur Wahl stehenden Spitzenkandidaten aus dem Wust an Informationen, die täglich von den Medien erzeugt werden, herauszufiltern.

WMem-Vergleich Deutschland 2012-2018

Vergleich der Wertewelten für Deutschland 2012 und 2018 (links)

In der ersten Grafik ist die Entwicklung der Wertewelt von Deutschland in den vergangenen 6 Jahren abzulesen. Kennzeichen dieser Entwicklung ist der leichte Anstieg von Grün und die daraus resultierende Ausbildung eines aufkeimenden Bewusstseins in der zweiten Ordnung der Entwicklungsspirale, das sich in einem deutlich wahrnehmbaren Gelb zeigt. Für das Gelingen dieser Entwicklung ist das ebenfalls ablesbare stabile Blau Voraussetzung. Das diese Veränderungen zu Lasten von Orange stattfinden ist folgerichtig und angemessen. Es kann sich bei dieser Entwicklung jedoch nur um den Beginn eines Prozesses handeln, der sich in der zweiten Ordnung in der Entwicklung eines deutlich ausgeprägten Türkis und eines weiter wachsenden Grün zeigen muss. Wertewelten der Parteien in Deutschland als Balkengrafik - Oktober 2018

In der oben stehenden Grafik sind die Wertewelten der im Bundestag vertretenen Parteien (mit Ausnahme der CSU) zu sehen, deren Vergleich einen Eindruck von der politischen Situation des Landes vermittelt. Zunächst fällt auf, dass die Wertewelten von Bündnis 90 / Grüne und „Die Linke“ weitgehend gleich sind und sich in der Struktur der Wertememe dem Bild von Deutschland annähern. Ihre Differenz zu Deutschland ist in einer Überbetonung von Orange zu Lasten von Blau und Grün zu sehen. In der Ähnlichkeit der beiden Parteien kann ein Argument für die von der Linken-Politikerin Wagenknecht angestrebte Sammlungsbewegung „Aufstehen“ gesehen werden, jedoch fehlt es dazu an einer dazu passenden SPD. Diese könnte allerdings als Korrektiv innerhalb einer Koalition aus drei Parteien (Grüne-SPD-Linke) fungieren. Solange eine Lagermentalität in alten Schemata wie links-rechts, konservativ-fortschrittlich oder nationalistisch-europäisch in Parteien gepflegt wird, können die sich abzeichnenden Veränderungen des Wahlverhaltens nicht in Politik umgesetzt werden. Unter diesem Aspekt gesehen zeigt die Grafik ganz deutlich die treibende Kraft der AfD mit ihrem überbetonten Blau, die zur Koalition aus CDU/CSU und SPD drängt und bei Bedarf auch die FDP einbeziehen wird. Sollte sich die SPD tatsächlich aus der Umklammerung national-konservativer Kräfte lösen wollen, so reichte dazu nicht ein nur formaler Schritt aus, wie es das Verlassen der großen Koalition wäre, sondern es müsste ein struktureller Wertewandel vor sich gehen, der zu einer Verlagerung von Macht in Richtung Grüne und Linke führen wird. Solch ein Schritt bedeutet einen Einschnitt, der eine ähnliche Tragweite hat, wie das Godesberger Programm, mit dem die SPD den Schritt zur kapitalistischen Volkspartei getan hat – das Ergebnis wäre jedoch offen.

Parteien in einer Demokratie mit kapitalistischem Überbau unterliegen Dynamiken, die sie nicht beherrschen. Darin drücken sich ihre Schicksale aus. Zu diesen Schicksalen gehört auch das Erlöschen ihrer Namen, wie das Beispiel der italienischen Democrazia Cristiana zeigt, was jedoch nicht das Erlöschen politischer Ideen bedeutet. Was die Politiker der SPD in dieser für sie schicksalhaften Zeit lernen sollten, ist Demut vor den Wählern und die Offenheit, neue politische Verbündete zu finden. Ein unumgängliches Signal zu einem solchen Neuanfang wäre das Eingeständnis jenes Kardinalfehlers, der mit dem Begriff Harz IV bezeichnet wird und die sofortige Aussetzung von Stafmaßnahmen gegen Arbeitnehmer.

In den folgenden Grafiken werden die Wertewelten der Kandidaten zur hessischen Landtagswahl nach dem System der Spiral Dynamics dargestellt. Diese Darstellungen geben einen Eindruck von dem Kräftefeld, in dem sich die jeweilige Person bewegt. In einem weiteren Schritt stelle ich die Kandidaten im Spiegel von 8 Themenkomplexen dar, die zu den wichtigsten Aufgaben der Landespolitik gehören. Es handelt sich dabei um

  • die Baupolitik, die aus Sicht der Wähler summarisch in den Wohnungsmieten zum Ausdruck kommt,
  • die Bildungspolitik, die durch das Schlagwort „Schule“ abgebildet wird,
  • die innere Sicherheit, die durch den Begriff „Kriminalität“ erfasst wird,
  • das Querschnittsthema Ausländer, das durch das Schlagwort „Flüchtlinge“ zum Ausdruck gebracht wird,
  • den Verkehr, der keiner weiteren Umschreibung bedarf,
  • die Umwelt, die ebenfalls keiner weiteren Umschreibung bedarf,
  • die Wirtschaft, die nicht zu den originären Aufgaben des Staates gehört und nur in begrenztem Umfang gemeit ist, jedoch sprachlich nur schwer einzugrenzen ist. Der hierfür am besten passende Begriff wäre „Staatsquote“, dieser Begriff ist jedoch nicht allgemein gebräuchlich;
  • die Verbraucherpolitik, die alle Menschen innerhalb der Landesgrenzen angeht, jedoch in besonderem Maße Bedeutung für Sozialschwache und bildungsferne Bevölkerungsteile große Bedeutung hat. Sie wird durch die Benennung der Adressaten eindeutig bezeichnet.

Nachfolgend werden die Ergebnisse der Untersuchungsschritte grafisch dargestellt und kommentiert. 

WMeme Parteien in Hessen

Wertewelten der Parteien in Hessen im Vergleich zum Land als Ganzes

In dem oben stehenden Vergleich der Parteien in Hessen kommt deren Wirkungsrichtung im Bezug zum Land zum Ausdruck. Ein Vergleich kann nicht als absolute Feststellung erfolgen, sondern nur im Verhältnis zu anderen Parteien. So ist festzustellen, dass sich alle Parteien bezüglich Orange deutlich unterhalb des Landesniveaus befinden, Grüne und Linke wesentlich weniger als die anderen Parteien, AfD und CDU in gleichem Maße, die SPD etwas abgeschwächt und die FDP in einer mittleren Position. In der Beziehung von Blau und Grün zu den Landeswerten unterscheiden sich AfD und CDU deutlich voneinander, hier zeigt sich dagegen große Übereinstimmung zwischen CDU und SPD. Letzteres gilt ebenfalls für Grüne und Linke.

Kandidaten Landtagswahl Hessen 2018

Wertememe der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Hessen 2018

In der Betrachtung der Kandidaten zeigen sich strukturell – mit Ausnahme des AfD-Kandidaten – keine Brüche. Bei allen ist Orange das dominierende Wertesystem, jedoch mit deutlichen Unterschieden. Den Spitzenwert erreicht der CDU-Kandidat, gefolgt vom SPD-Kandidaten, deutlich davon abgesetzt auf gleichem Niveau die Kandidaten von Grünen und FDP und schließlich die Kandidatin der Linken. Besondere Akzente stellen das starke Grün bei der Grünen-Kandidatin und das starke Blau bei dem AfD-Kandidaten dar. Bei der Kandidatin der Linken ist auf das starke Rot und das im Gleichgewicht befindliche Verhältnis von Blau und Grün hinzuweisen. Das Niveau von Orange bei den Kandidaten von CDU und SPD hebt sich deutlich von dem ihrer Parteien ab. Hierin werden Zweckoptimismus und die Hervorhebung eigener Regierungsleistungen mit zum Ausdruck kommen. Im Sinne der Werthaltung stellen sie eine gefährliche Selbstüberschätzung dar, die vom Wähler eher bestraft als honoriert wird.

Kandidaten LT-Wahl Hessen 2018

Themen der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Hessen 2018

Wenn es bei der Landtagswahl um die Fragen geht, die für das Leben der Menschen wichtig sind und um das Interesse der Politiker an diesen Fragen, so gibt die oben stehende Grafik Auskunft über die öffentliche Wahrnehmung der Spitzenkandidaten in dieser Hinsicht. Bei den 8 untersuchten Politikfeldern zeigen sich Spitzenwerte in den Themenbereichen Wirtschaft und Verkehr, die bei allen Kandidaten an erster Stelle liegen – mit Ausnahme der Kandidatin der Grünen, bei der die Verbraucherpolitik den Vorrang hat. Die Verbraucherpolitik nimmt jedoch auch bei den Kandidaten von CDU und SPD einen hervorgehobenen Stellenwert ein. Besondere Akzente werden darüber hinaus von der Kandidatin der Grünen im Politikfeld Umwelt, von dem Kandidaten der FDP im Politikfeld Schule und von dem Kandidaten der AfD im Politikfeld Flüchtlinge gesetzt. Auffallend ist, dass die anderen Kandidaten sich nicht von der AfD im Flüchtlingsthema fesseln lassen haben. Eine hervorgehobene Bedeutung hat auch das Thema Kriminalität bei den Kandidaten von AfD und Grünen. Eine geringe Wahrnehmung gibt es jedoch – entgegen der immer wieder von den elektronischen Medien hervorgehobenen Bedeutung – für das Thema Wohnungsmieten. Es drängt sich hierzu der Eindruck auf, dass es sich dabei um ein stellvertretendes Thema für die angespannte Einkommenssituation großer Bevölkerungsteile handelt, wobei eine räumliche Komponente (Ballungszentren) einbegriffen ist, handelt.

Themenschwerpunkte Hessen 2018 im Vergleich

Themenschwerpunkte der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Hessen 2018 – Vergleich mit dem Durchschnitt aller Kandidaten

In der vorstehenden Grafik werden die Stärken und Schwächen der Kandidaten innerhalb der Themensetzung am Durchschnitt aller Kandidaten dargestellt. Hier bestätigen sich die bereits zuvor festgestellten Stärken, es werden jedoch auch die Schwächen gut sichtbar. Diese liegen beim CDU-Kandidaten in den Themen Schule und Umwelt, bei der Grünen-Kandidatin bei den Themen Wirtschaft und Verkehr, bei der Linken-Kandidatin bei den Themen Verbraucher und Umwelt, bei dem FDP-Kandidaten bei den Themen Verkehr und Verbraucher und bei dem AfD-Kandidaten ebenfalls bei den Themen Verkehr und Verbraucher. Den Durchschnitt bildet nahezu ideal der Kandidat der SPD ab, der unter diesem Aspekt gute Aussichten auf einen Wahlerfolg hat. Hiermit ist jedoch nichts über die Qualität der Sachaussagen zu den einzelnen Themenkomplexen gesagt, sondern es ist lediglich festgestellt, dass er in allen Themenkomplexen gut wahrgenommen wird – worin eine Grundbedingung für einen Wahlerfolg zu sehen ist.

 

 

 

 

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Hessen vor der Landtagswahl 2018

Zwei Wochen trennen die Wahlbürger in Hessen von ihren Möglichkeiten, über den weiteren politischen Weg ihres Bundeslandes mitzubestimmen. Aus den Erfahrungen mit dem politischen System in Deutschland wurden in jüngster Zeit von verschiedenen Seiten der politischen Beobachter eher deprimierende Schlüsse über den politischen Stellenwert von Wahlen gezogen – und das ist nicht unbegründet -, doch wäre es verfehlt, den Sinn von Wahlen generell und total in Abrede zu stellen. Zumindest in sozioökonomischer Hinsicht und in Ökologischer Hinsicht stehen mit den Parteien „Die Linke“ und „Bündnis 90/Grüne“ politische Hoffnungsträger auf existentiell wichtigen Politikfeldern zur Wahl, an denen der „Zahn der Zeit“ noch kein Siechtum herbeigeführt hat. Unter diesem Aspekt stellt die AfD – wenngleich formal noch jung – keine Alternative dar, da sie bemüht ist, sich außerhalb der Zeit zu positionieren und daher als Geschichtsblinde einer politischen Eugenik zu unterziehen ist.

Nach dieser Vorrede möchte ich nun den Vorhang des Politiktheaters etwas transparenter machen und mit Hilfe der in diesem Projekt verwendeten Methode die Wertewelten der aussichtsreichsten Parteien zur Landtagswahl in Hessen darstellen. Dabei werden die Wertewelten dieser Parteien im Bezug auf die fünf Großstädte Hessens einmal als isolierte Stadtergebnisse und in einem weiteren Schritt im Vergleich zum Durchschnitt aus allen Großstädten dargestellt. Zusätzlich werden die Ergebnisse der Parteien für das gesamte Bundesland als Balkengrafik dargestellt.

In der oben stehenden Galerie sind die Ergebnisse für sechs Parteien dargestellt. Für jede Partei ist ein Vergleich der Werte mit dem ebenfalls dargestellten Bundesland als Gesamtheit möglich. Zunächst ist bei unscharfem Hinsehen auf die Übersicht der Grafiken festzustellen, dass sich das Bild der CDU (oben  links) deutlich von den anderen Bildern unterscheidet. Dieser Unterschied wird wesentlich durch ein deutliches Zurücktreten der WMeme Grün und Blau gegenüber allen anderen Parteien bewirkt. Als Folge davon sind in allen Großstädten vergleichsweise hohe Anteile von Orange zu sehen. Die größte Nähe zur Wertewelt der CDU findet sich bei der AfD, womit sich der in der öffentlichen Warnehmung entstandene Eindruck bestätigt. Eine weitere Auffälligkeit besteht in einer Ausnahme von dem allgemeinen Bild der Großstädte und betrifft die Stadt Offenbach. Für diese Stadt sind auch bei der CDU mit den anderen Parteien vergleichbare Anteile von Blau und Grün vorhanden. Ob die beschriebene Situation der CDU von besonderen örtlichen Bedingungen, von der Wahlkampfstrategie, der Rolle als Regierungspartei oder den Parteistrukturen und deren programmatischer Ausrichtung bestimmt ist, kann nicht mit Verlässlichkeit differenziert werden. Wahrscheinlich ist eine Mischung aus allen Faktoren für dieses Ergebnis bestimmend. Ein Hinweis auf ein starkes Gewicht der politischen Ausrichtung ist jedoch mit der hohen Übereinstimmung zwischen der Wertewelt von Frankfurt und der CDU im Landesvergleich feststellbar, die es nur noch bei der AfD in angenähertem Maße gibt.

Das zweite übergreifende Ergebnis einer summarischen Betrachtung ist die Wertewelt im Bezug auf Offenbach. Darin zeigt sich bei allen Parteien das im Vergleich der Städte schwächste Orange und dementsprechend der stärkste Anteil des Komplexes Blau/Grün, wobei bis auf „Die Linke“ bei allen Parteien Grün den stärkeren Anteil hat. Als Industriestadt mit langer Tradition und dem höchsten Anteil an Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland (60%) ist Offenbach auch durch eine traditionell sozialdemokratisch ausgerichtete Kommunalpolitik geprägt. Diese Einflüsse kommen in dem quer durch alle Parteien gehenden Einfluss von Grün zum Ausdruck. Darüber hinaus zeigen sich als konsequente Entwicklung einer Grün bestimmten Tradition deutliche Spuren von Wertesystemen der zweiten Ordnung. Bei der CDU ist es Türkis, bei den anderen Parteien ist es überwiegend Gelb, worin diese Entwicklung ablesbar wird. Zwar trifft diese Feststellung auch für die AfD zu, jedoch mit der Einschränkung, dass es sich hierbei – zumindest in einem erheblichen Umfang – um zweckgerichtete Romantisierung  in der Art einer Prä-/Transverwechslung handelt. Als deutlicher Hinweis in diese Richtung kann der große Anteil von vorrationalem Rot bei der AfD gelesen werden. Allerdings gilt diese Einschränkung auch für die anderen Parteien – jedoch nur eingeschränkt für die SPD.

Die Wertewelt der SPD ist wie die aller Parteien durch Orange gekennzeichnet. Jedoch sind deutliche Unterschiede in der geografischen Verteilung zu sehen. Hierbei ist der Ausprägungsgrad auf Landesebene nahezu als Mittelwert der Großstädte anzusehen. Den höchsten Wert erreicht Orange in Frankfurt, den niedrigsten erreicht es in Offenbach. Das Verhältnis von Blau zu Grün, welches für die Stabilität innerhalb des Gesamtsystems von ausschlaggebender Bedeutung ist, stellt sich bei der SPD nahezu ausgewogen dar. In der Stärke dieser beiden Wertesysteme unterscheiden sich SPD und CDU erheblich. Hierbei ist in dem wuchernden Orange ein strukturelles Problem der CDU zu sehen, das eine gesunde Entwicklung innerhalb der Wachstumsspirale verhindert. Demgegenüber kann innerhalb des dargestellten Parteienspektrums jede andere politische Konstellation – unter Ausschluss der AfD – für die Regierungsbildung als geeigneter angesehen werden, als die derzeitige Regierungspartei sich darstellt.

Das Niveau von Orange ist bei Bündnis 90 / Grüne insgesamt niedriger als bei allen anderen Parteien. Dagegen sind die Anteile von Rot hier am stärksten. Für weitere vergleichende Betrachtungen wird auf die folgende Galerie Bezug genommen.

Im Vergleich der Parteien mit ihrem arithmetischen Mittel in den Großstädten treten die bereits augenscheinlich erfassten Besonderheiten deutlich hervor. Zusätzlich sind jedoch noch einige Merkmale abzulesen, die im Bereich der kleinen Zahlen liegen und das Bild der Parteien vervollständigen.

Neben Frankfurt zeigt auch die Landeshauptstadt Wiesbaden bei allen Parteien ein überdurchschnittlich starkes Orange. In der Wertewelt der FDP nimmt es sogar den Rang vor Frankfurt ein. Darüber hinaus spielt Orange bei CDU und SPD auch in Kassel eine überdurchschnittliche Rolle. In Darmstadt besteht ein erhöhtes Gewicht von Orange bei der CDU und der Partei „Die Linke„. Es ergibt sich daraus für die CDU das Bild der politischen Heimat von Orange, die sie von allen anderen Parteien unterscheidet, jedoch auch eine Anfälligkeit für persönliche Ambitionen darstellt, die mit dem demokratischen Anspruch der Partei im Widerspruch stehen. Diese Problematik spiegelt sich in durchgehend unterdurchschnittlichem Grün wider, wie es auch bei der AfD zu sehen ist.

Besonders hervorzuheben sind die unterdurchschnittlichen Anteile von Blau und Grün, bei der CDU im Bezug auf alle Großstädte, außer Offenbach, bei der SPD im Bezug auf Frankfurt, Wiesbaden und Kassel, bei den Grünen im Bezug auf Frankfurt und Wiebaden, bei der FDP im Bezug auf Frankfurt, Wiebaden und Darmstadt und bei der Partei „Die Linke“ im Bezug auf Frankfurt. Hierbei stellt sich die Situation für Frankfurt als besonderes Problem dar, da offensichtlich keine Partei in der Lage ist, Werte zu mobilisieren, die eine angemessene Entwicklung von Frankfurt fördern. Besonders ausgeprägt ist dieser Mangel bei den traditionellen Volksparteien CDU und SPD zu sehen. Dagegen ist bei der SPD im Bezug auf Darmstadt ein unterdurchschnittliches Orange mit überdurchschnittlichem Komplex aus Blau und Grün zu sehen.

Neben der bereits weiter oben angesprochenen Sonderrolle von Offenbach am Main – auf die hier nicht näher eingegangen wird, da hierzu vertiefte Kenntnisse der Situation vor Ort erforderlich sind – zeigen sich auch in den Wertewelten von der Partei „Die Linke“ und der FDP im Bezug auf Kassel Besonderheiten. In der Wertewelt der Linken spielt Grün eine weit überdurchschnittliche Rolle, die ein Resultat der Schwäche bei anderen Parteien – insbesondere CDU und SPD – sein kann. Mit der Linken konkurriert diesbezüglich die FDP, jedoch gehemmt durch überdurchschnittliches Blau. Im Bezug auf Kassel sind in der Wertewelt der Grünen überdurchschnittliche Anteile von Rot und Blau zu sehen, die einerseits auf egozentrische Einflüsse und andererseits auf betont rationale Einflüsse hinweisen. Eine weitere Konkurrenzsituation besteht im Zusammenhang mit Darmstadt zwischen SPD und AfD. Hier zeigt sich bei der AfD ein überdurchschnittlicher Anteil von Blau, der anders als bei der SPD nicht durch hemmendes Grün „gefesselt“ ist.

Im Bezug auf die AfD ist auch in Hessen der Einfluss vorrationalen Denkens in Purpur zu sehen, der vermutlich aus rückwärtsgewandten romantisierenden Vorstellungen herrührt und auch rassistischen und nationalistischen Bestrebungen eine politische Heimat bietet. 

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Bayern vor der Landtagswahl 2018

Selten hat eine Landtagswahl eine so große Bedeutung für das politische System Deutschlands erhalten, wie die am 14. Oktober 2018 stattfindende Landtagswahl in Bayern. Hierfür können mehrere Ursachen gefunden werden. Die von CDU/CSU und SPD gebildete Bundesregierung stellt eine Schicksalsgemeinschaft aus einer zunehmend dahinsiechenden SPD, einer in wesentlichen Fragen sozialer Gerechtigkeit gespaltenen CDU und einer konkurrenzgetriebenen CSU unter einer schwachen CDU-Kanzlerin dar. Unter dem Verdikt der Staatsräson gebildet sind diese Parteien um den Preis der Abstrafung durch die Wähler zum Erfolg gezwungen. Es drängt sich der Vergleich mit einer Ehe auf, die zum Wohle der Kinder aufrecht gehalten wird, jedoch jeder Harmonie zwischen den Eheleuten entbehrt.

In dieser Konstellation kommt der CSU als Dauerpartner der CDU in der Bundespolitik ein größeres Gewicht zu, als sie es jemals in einer großen Koalition hatte. Zwar hatte sie schon immer die Möglichkeit – wie zu Zeiten eines FJ Strauß und dem Kreuther Beschluß, – die Parteienlandschaft in Deutschland in Bewegung zu bringen, doch fehlte hierzu das in der Wählerschaft notwendige Verständnis. Mit dem Auftauchen der AfD ist dieses argumentative Hindernis weggefallen und es kann ungeniert mit der Macht der Ämter taktiert werden.

Der Hang zum Ressentiment der „Weißwurstesser“ gegen die „Saupreißn“ hat sich in der Antwort eben dieser „Preißn“ weitgehend auf die multikulturellen Botschafter des FC Bayern München beschränkt, worin noch nie ein ernstes Problem gesehen wurde. Jetzt, wo dieser Hang der Bayern zum Ressentiment sich in der Flüchtlingspolitik breit machen möchte, besteht allerdings umso mehr Veranlassung dagegen zu halten. Wie weit die „Mutter aller Probleme“ – wie die Migration vom CSU- Bundesinnenminister Horst Seehofer bezeichnet wurde – die Annäherung der CSU an die AfD bewirkt hat, soll in diesem Beitrag ansatzweise aufgezeigt werden. Es kann jedoch nicht übersehen werden, dass die Propaganda und die ständige Medienpräsenz der AfD und ihrer Vorfeldorganisationen auch auf andere Parteien wirkt. Die Ergebnisse sind darüber hinaus eine Orientierung für die Wahlentscheidung am 14. Oktober.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Wertewelten für die AfD in den einzelnen Stimmkreisen dargestellt. Die Stimmkreise stellen den Stand zur letzten Landtagswahl dar und sind deshalb nur für eine ungefähre Lageangabe der Stimmkreise gedacht.

AfD-Wertememe in Bayern

Wertewelten der AfD in bayrischen Stimmkreisen

Die ungefähre Lage der Stimmkreise kann der folgenden Grafik entnommen werden. Der Zuschnitt der Stimmkreise wurde seit der letzten Wahl modifiziert. Eine geeignete bereinigte Karte stand jedoch nicht zur Verfügung. Für einige Stimmkreise konnten keine separaten Daten erhoben werden, da ihre geografische Bezeichnung (z. B. NN-Ost, NN-West) keine allgemein übliche Bezeichnung darstellt und abfragetechnisch zu falschen Ergebnissen führen würde. Solche Stimmkreise wurden zu einem Stimmkreis unter der Bezeichnung des Hauptbegriffs (NN) zusammengefasst. Diese Stimmkreise sind in der unten stehenden Übersicht an der Aufzählung ihrer Nummern erkennbar.

Übersicht der verwendeten Raumeinheiten

Übersicht der bayrischen Stimmkreise mit Eintragung der Stimmkreisnummern entsprechend der für die Abfrage benutzten Aggregate

In der Tabelle sind die 8 Wertesysteme der Spiral Dynamics für die AfD in den einzelnen Stimmbezirken bzw. deren Aggregaten dargestellt und in vier Ausprägungsgraden unterschieden. Der Bedeutungsgehalt dieser Daten umfasst sowohl das Selbst– und Fremdbild von der Partei wie auch die Beziehungen der Partei zu der jeweiligen Raumeinheit in der Fremd- und Eigenwahrnehmung. Es handelt sich also um einen Komplex, der am besten durch den Begriff „Wertewelt“ ausgedrückt werden kann.

Es zeigt sich für die AfD ein sehr vielschichtiges Gesamtbild, dass auf ungefestigte Verhältnisse sowohl programmatisch wie personell hindeutet. Sehr prägnant kommt dieses in einigen Bereichen Bayerns zum Ausdruck, wo das allgemein in Deutschland dominierende WMem Orange durch Blau oder Grün als dominierende Wertesysteme ersetzt wird (siehe folgende Übersicht).

Wertewelten der AfD in Bayern

Übersicht über die dominierenden Wertesysteme der AfD in bayrischen Stimmkreisen

Auch dort, wo Orange den stärksten Einfluss auf die Welt der AfD hat, weist die Tabelle in der Mehrzahl im Verhältnis zu anderen Parteien und zum Gesamtsystem Deutschland geringe Anteile für dieses WMem aus. Hierin bestätigt sich ein relativ geringer Einfluss demokratischer und pragmatischer Bestrebungen. Damit im Zusammenhang steht auch eine Polarisierung zwischen ordnungsorientierten blauen Kräften und auf soziale Integrität bauenden grünen Kräften, wie sie in ca. einem Zehntel der Stimmkreise sehr deutlich und darüber hinaus in vielen weiteren Stimmkreisen etwas weniger deutlich zum Ausdruck kommen.

Besonders auffällig ist die Aktivität des Wertesystems Rot und der WMeme zweiter Ordnung (Gelb und/oder Türkis). Um die Bedeutung dieser Ergebnisse ermessen zu können, sind die realen Verhältnisse der AfD in Betracht zu ziehen, da es im Bezug auf die Wertesysteme zu verschleierten Verhaltensweisen und ambivalenten Wirkungen kommen kann (näheres zu den WMemen siehe die Erläuterungen dort). Hinsichtlich der hohen Anteile von Rot ist auf das von verbaler und körperlicher Gewalt gekennzeichnete öffentliche Auftreten der Partei in Partnerschaft mit rechtsextremen Gruppen, wie es erst küzlich in Chemnitz zu sehen war, hinzuweisen.

Die eigentliche Gefahr der neuen Rechten – und damit meine ich auch die AfD – besteht in der Wiederholung eines fundamentalen Missverständnisses, wie es von den Nationalsozialisten im Dritten Reich zum politischen Programm erhoben wurde. Ken Wilber nennt es die Prä/Trans-Verwechslung und erklärt sie so: „Letztlich ist die ganze deutsche Tradition ein Lehrbeispiel für die Prä/Trans-Verwechslung,
die zum einen einen Hegel und zum anderen einen Hitler hervorbringen
konnte. Gerade weil die deutsche Tradition mit solchem
Adel und solcher Intensität um den Geist rang, was ihr ewiges Verdienst
bleibt, war sie umso anfälliger für die Verwechslung von
prärationalen physischen und emotionellen Schwärmereien einerseits
und transrationaler Erkenntnis und transrationalem Gewahren
andererseits. »Blut und Boden«, »Zurück zur Natur« und der »edle
Wilde« – dies waren die großen Schlagworte unter dem Banner einer
romantischen Rückkehr zum Geist, einer Wiedergewinnung des
verlorenen Urgrunds, einer Rückkehr zum deus absconditus (Anm.: dem verborgenen Gott), einer mit Blut geschriebenen Offenbarung, die in das Fleisch derjenigen
eingeschnitten wurde, die der Reinheit des »Volkskörpers« im Wege
zu sein schienen. Und die Gaskammern standen als der stille Schoß
der Großen Mutter bereit, die immer über solchen Vorgängen waltet,
um all diejenigen aufzunehmen, die diese Reinheit zu schänden
schienen. Nicht seine Rationalität oder Transrationalität richteten
Deutschland zugrunde; vielmehr brachten seine reaktivierten prärationalen
Impulse die Festung zum Einsturz.“ Die hier angesprochenen geistigen Kräfte treten auf individueller Ebene in Gelb und auf kollektiver Ebene in Türkis auf.

Gelb und Türkis sind geistige Ebenen eines Bewusstseins, das die gesamte Bandbreite der Wertesysteme durchwirkt und ordnet, so dass ein Fortschritt in der Entwicklung der gesamten Spirale hin zu einem globalen Bewusstsein erreicht werden kann. Das setzt die Toleranz nebeneinader existierender Wirklichkeiten und die Bildung eines immanenten Bewertungssystems voraus. Entgegenstehende Regeln der Mehrheit werden unter Berufung auf höhere Vernunft bewusst ignoriert und führen zur Arroganz.  Die Handlungsebenen sind in Gelb bestimmt durch das „Was“ und „Wie“ und werden in dem kollektiven Türkis abgelöst durch das „Wer“ und „Warum„. Diese Bedingungen der Wertesysteme zweiter Ordnung haben zur Folge, dass die Handlungsempfehlungen selektiv und undogmatisch nach den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden und auch undemokratisches Verhalten in Kauf nehmen müssen. Hieraus ergibt sich die Gefahr, dass unreflektierte Kräfte früherer Entwicklungsstufen nicht richtig eingeschätzt werden und gefördert werden, so dass sie zur Gefahr für die Gesamtentwicklung werden. Diese Prozesse sind gegenwärtig unter den Bedingungen nur schwach vorhandener Energien der zweiten Ordnung, jedoch sehr stark ausgeprägtem Orange in vielen Teilen der Erde zu sehen. Ein typisches Beispiel hierfür ist der internationale Waffenhandel, der nicht danach fragt, wer die Waffen bestellt und was er damit anfangen will oder könnte, sondern lediglich den eigenen persönlichen Erfolg im Auge hat.

Die Äußerungen führender AfD Politiker und deren Nähe zu rechtsextremistischen Gruppen sowie ihr Beharren auf der Rückführung von Flüchtlingen, Asylbewerbern, Asylanten und Migranten stellt eine Ignoranz gegenüber den eingetretenen Verhältnissen dar, die alles andere als kluges Verhalten im Sinne der obigen Erläuterungen darstellt und ist ein aktuelles innenpolitisches Beispiel für die Verwechslung von unreifem Bewusstsein in den Wertesystemen von Purpur und Rot und aufgeklärtem Bewusstsein in Blau. In diesen Wertesystemen werden vergleichsweise hohe Zahlenwerte erreicht. Eine differenziertere Beurteilung dieser Fragestellung soll jedoch nachfolgend auf der Grundlage von Vergleichsdaten mit anderen Parteien für Bayern als Ganzes und die bayrischen Großstädte erfolgen.

In der ersten Grafik sind die Wertewelten der aussichtsreichsten Parteien und der Freien Wähler dargestellt. Hier ist zu sehen, dass die AfD in dem dominierenden WMem Orange mit deutlichem Abstand eine Spitzenstellung einnimmt, die – wie bei allen dargestellten Gruppierungen – in erster Linie durch die Bewertung der vergangenen Jahre und die Erwartungen für den Wahlausgang beeinflusst sein dürfte. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Ergebnisse lediglich Wunschdenken darstellen, vielmehr sind sie auch als programmatische Ausrichtung oder Hoffnungen für die Zukunft zu verstehen, die z. B. in einem sehr starken Grün bei der SPD zum Ausdruck kommen und damit die originären Werte der Sozialdemokratie neu in den Vordergrund rücken. 

Hinsichtlich der AfD ergibt sich ein gänzlich anderes Bild, als es sich aus den Stimmkreiserhebungen darstellt. Dieser Eindruck wird auch durch den Vergleich mit den Ergenissen für die bayrischen Großstädte weitgehend bestätigt. Lediglich für Nürnberg wird der Spitzenwert annähernd erreicht. Insgesamt lassen sich deutliche Unterschiede zwischen der Landesebene und der Ebene der Großstädte feststellen, die mit Ausnahme der Grünen alle Parteien betreffen.

In der zweiten Gallerie sind  die Ergebnisse für die einzelnen Großstädte dargestellt. Hierbei erfolgt ein Vergleich der Bedeutung der jeweiligen Stadt innerhalb des Horizonts der jeweiligen Partei mit der Bedeutung der Stadt als Bezugsebene des politischen Systems, repräsentiert durch die genannten Parteien auf Ebene der bayrischen Großstädte. Durch den Vergleich beider Wertebilder lassen sich die Schwerpunkte der Parteien innerhalb der Konkurrenzsituation zu den Mitbewerbern und innerhalb der Parteistrukturen abschätzen. Hier ist deutlich zu sehen, dass sich die AfD ganz deutlich von allen anderen Parteien in einem starken (prärationalen, magisch-animistischen) Purpur unterscheidet, die einzige Ausnahme bildet Ingolstadt. Darüber hinaus hebt sie sich in fünf der 8 Großstädte durch ein starkes Türkis von den übrigen Parteien ab. Damit kann die oben dargestellte These bezüglich der Einordnung der AfD in das politische System als belegt angesehen werden.

Einen Aktivitätsschwerpunkt für die Wertewelt der AfD stellt – im Verhältnis zu den anderen Parteien, wie auch innerhalb der Partei – die Stadt München dar. Hier heben sich 6 der 8 WMeme gegenüber den anderen Parteien deutlich ab.

Entgegen früheren Erhebungen stellt sich die Wertewelt der AfD im Vergleich zu derjenigen der CSU wesentlich differenzierter dar. Besonders deutlich fallen diese Unterschiede im Vergleich auf Ebene der Großstädte auf.

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Wie das Land, so der Mensch? – Virtuelle Landschaftsbilder in NRW

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Zum Verhältnis von Kultur und Landschaft

In einer bekannten Bierwerbung wird ein an der Nordsee getrunkenes Produkt mit dem markigen Spruch beworben: „Wie das Land, so das Jever„. Damit wird auf den „friesisch herben“ Charakter dieses Bieres hingewiesen, der somit dem Charakter der Ostfriesen entsprechen soll.

Zuschreibungen, die auf Charaktermerkmale der Bewohner Bezug nehmen, gibt es für viele Regionen in Deutschland wie auch für ferne Länder und fremde Kulturen. Stereotype wie die „rheinische Frohnatur“ und der ihr gegenüber gestellte „sture Westfale“ wie auch der sparsame und Häusle bauende Schwabe gehören zu den bekanntesten Redewendungen in Deutschland.

Wie kommt es, dass gerade jetzt, wo die Erde zu einem Dorf zu schrumpfen scheint, Reisen zu allen Kontinenten selbstverständlich sind und Sprachen dank Google keine Hindernisse mehr darstellen, immer noch ein provinzieller Gestus serviert wird, der damit mutmaßlich werbetechnische Erfolge verbucht? Im Gegenteil – es scheint sogar eine Aktivierung dieser schlummernden Gefühle stattzufinden, die sich an Begriffen wie Heimat und Region festmachen und seit der letzten Bundestagswahl auch ihre Referenz auf höchster politischer Ebene erhalten. Eine mögliche Erklärung könnte die Erfahrung vieler Deutscher sein, dass auch das eigene Land ein erstrebenswertes Ziel ist, wie Hunderttausende freiwillig – im Unterschied zu den in den 1960-er Jahren angeworbenen Gastarbeitern – in das Land kommende Migranten und Flüchtlinge zum Ausdruck bringen. Nach der Bewusstwerdung des eigenen Landes als Ort, an dem es sich gut leben lässt, können in einem zweiten Schritt Verlustängste entstanden sein, die zu Abwehrhaltungen gegenüber allem Fremden geführt haben. Dabei übernehmen bereits seit Jahrhunderten latent vorhandene Abgrenzungen gegenüber Bewohnern anderer Landstriche eine aktive Rolle, wie sie in Charakterzuschreibungen  auf regionaler Ebene – siehe oben – oder auch international – schwatzhafte Italiener, introvertierte Nordländer, arrogante Franzosen, gastfreundliche Araber usw. – schon lange existierten.

Über den historisch gewachsenen Versuchen, die Verschiedenheit der Menschen mit ihrer geografischen Herkunft zu erklären, haben sich mit der modernen Wissenschaft neue Erklärungsmuster erhoben, die jedoch keineswegs zu einer Klärung der Zusammenhänge geführt haben. Mit den Erkenntnissen der Quantenphysik und der Hirnforschung hat sich die Zahl der Erklärungsversuche nur noch erhöht, ohne einer Lösung näher zu kommen. Neben den schon in voraufklärerischer Zeit an diesen Fragen interessierten Herrschaftsstrukturen ringen nun auch die neue Rechte und die Wissenschaft um die Deutungshoheit über die Frage, was den Menschen eigentlich prägt. Von besonderem Interesse an diesen Adaptionen sind Versuche, objektiv feststellbare und determinierende Einflüsse für Charakterzuschreibungen zu finden. Besonderes Gewicht haben dabei die angenommenen Prägungen durch die geografische und geschichtliche Eigenart der Landschaft – oder allgemeiner ausgedrückt: des Raumes – auf den Menschen. Solche Annahmen können auf dem Boden neuerer Diskussionen in der Hirnforschung, die den Menschen von der Eigenverantwortung freistellen möchten, da er neuronal keinen freien Willen besitze, höchste naturwissenschaftliche Kompetenz für sich in Anspruch nehmen. Trotz inzwischen erfolgten Relativierungen sorgen die von der Hirnforschung unter Erfolgszwang bekanntgegebenen „Ergebnisse“ immer wieder für irritierende Diskussionen und setzten Verhaltensweisen in Gang, die – einmal eingeübt – gar nicht oder nur schwer zu korrigieren sind.

In diesem Artikel möchte ich die Existenz regional vorhandener Unterschiede der Charaktereigenschaften und Werthaltungen nicht bestreiten. Vielmehr möchte ich am Beispiel des Landes Nordrhein-Westfalen darstellen, wie die Charakterzuschreibungen in den verschiedenen Landschaften des Landes variieren und wie diese mit grundlegenden Werthaltungen verbunden sind. Hierdurch soll ein komplexeres Bild von den Menschen im Lande entstehen, das einerseits den Gegebenheiten näher kommt als zusammengetragene Einzelquellen aus vergangenen Jahrhunderten dieses können und das andererseits anschlussfähig für weitere Betrachtungen ist.

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Bleiben Sie gesund – werdet gesund!

In den vergangenen zwei Monaten war ich aufgrund einer schweren Erkrankung gezwungen, mich im persönlichen Interesse intensiv mit medizinischen Themen auseinanderzusetzen. Was ich in dieser Zeit erleben musste hat bei mir zu einiger Empörung geführt, die aus den Begegnungen, die ich mit anderen Patienten hatte gestützt wurde. Dennoch habe ich gezögert, über diese Erfahrungen zu schreiben, da es mir bewusst ist, dass die Missstände im Gesundheitswesen systemisch verursacht sind und teilweise bereits in der politischen Diskussion angekommen sind. Damit meine ich nicht den „Pflegenotstand“, den man durch einige Tausend zusätzliche Pflegekräfte beseitigen möchte. Es geht um nicht weniger, als um ein neues Bewusstsein aller Beteiligten im Gesundheitssystem, also der Heilberufe, Therapeuten, Gesundheitsfachberufe, Arzneimittelhersteller, Krankenkassen und Sozialträger. Diverse „Gesundheitsreformen“ seit der Blümära haben sichtbar werden lassen, dass dieses System weitgehend Veränderungsresistent ist und sich oft auf Kosten der schwächsten Glieder im System – den Patienten – verändert (Praxisgebühr, Zuzahlung, Positivliste).

Wo, wenn nicht in diesem Projekt wäre der Platz, eine Ordnung in dieses dichte Geflecht von Interessen zu bringen, hat es sich doch unter den Anspruch gestellt, Anregungen für eine integrale Weltsicht und ein neues Handeln zu geben. Daher möchte ich hier Ken Wilber zu Wort kommen lassen, der in der Medizin ein Teilsystem sieht, dass von seinem innersten Wesenskern her nach integralem Handeln schreit: „Nirgendwo anders sind die vier Quadranten unmittelbarer anwendbar als im Bereich der Medizin, und das Modell wird zunehmend von Institutionen der Gesundheitsfürsorge in aller Welt angenommen (Anm.: In Deutschland mit den nachfolgenden Fragezeichen!)….

…Der Oben-Links-Quadrant ist ein Schlüsselelement jeder umfassenden medizinischen Fürsorge. Es hat sich gezeigt, dass Visualisierungen, Affirmationen und der bewusste Einsatz bildlicher Vorstellungen bei der Behandlung der meisten Krankheiten eine bedeutende Rolle spielen können. Und es ist erwiesen, dass die Ergebnisse von emotionalen Zuständen und mentalen Zielsetzungen abhängen….

…Die Art und Weise, wie eine Kultur (ULQ, d. h. unterer linker Quadrant) mit einer bestimmten Krankheit umgeht – mit Fürsorge und Mitgefühl oder mit Spott und Geringschätzung -, kann tiefgreifende Auswirkungen darauf haben, wie ein Individuum (OLQ) mit dieser Krankheit umgeht, was den Verlauf der physischen Krankheit selbst (ORQ, d. h. oberer rechter Quadrant) unmittelbar beeinflussen kann. In der Tat können viele Krankheiten ohne einen gemeinsamen kulturellen Hintergrund nicht einmal definiert werden (ebenso wie das, was man als „Unkraut“ ansieht, oft davon abhängt, was man vor allem anpflanzen möchte). Zum Unten-Links-Quadranten gehört auch die riesige Zahl der intersubjektiven Faktoren, die für jede menschliche Interaktion entscheidend sind – in diesem Fall etwa die Kommunikation zwischen Arzt und Patient, das Verhalten von Familie und Freunden und wie es dem Patienten vermittelt wird, die kulturelle Akzeptanz oder Herabsetzung einer bestimmten Krankheit (z. B. Aids) sowie die eigentlichen Wertvorstellungen der Kultur, die von der Krankheit bedroht werden….

…Der Unten-Rechts-Quadrant betrifft alle jene materiellen, ökonomischen und sozialen Faktoren, die fast niemals als Aspekt der jeweiligen Krankheit angesehen werden, die jedoch tatsächlich – wie jeder andere Quadrant – Auswirkungen auf Krankheit und Heilung haben. Ein Gesellschaftssystem, das die Ernährung nicht sicherstellen kann, wird uns umbringen (wie leider täglich durch viele Länder, in denen Hunger herrscht, demonstriert wird). Doch gilt selbst für entwickelte Länder: Leidet man an einer lebensbedrohenden, jedoch therapierbaren Krankheit und ist die private Krankenversicherung die einzige verfügbare Geldquelle, so wird man sterben, wenn diese Finanzierungsquelle für die Therapie nicht ausreicht. Eine der Ursachen deines Todes ist dann – Armut….“

Die letzten Ausführungen bezüglich der Privatversicherungen sind auf die Situation in den USA gemünzt, in Deutschland tritt in diesem Beispiel an die Stelle der Armut die mangelnde wissenschaftliche Begründung von Therapien (Therapiefreiheit) und das mangelnde Interesse der Pharmaindustrie an der Entwicklung passender Medikamente für seltene Krankheiten – auch das im weiteren Sinne eine Form der Armut.

Mein Weg von der lebensbedrohlichen Krankheit zur Rückkehr in das „normale“ Leben begann mit der totalen Hingabe an das von medizinischen Notfallroutinen bestimmte Regime eines Krankenhauses. Für ausführliche Patientenaufklärung war unter diesen Umständen keine Zeit. Dennoch war es von Vorteil, bei vollem Bewusstsein zu sein, da auch in der Routine die Mitwirkung des Patienten in beiderseitigem Interesse hilfreich ist (Vorgeschichte der Krankheit, Allergien und Unverträglichkeiten usw.). Das Ziel der Lebensrettung bestimmt die Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patient. Diese Erfahrung steht in deutlichem Widerspruch zu meinen sonstigen Erfahrungen in der Begegnung mit Ärzten. Die strenge Orientierung an dem kurzfristig zu erreichenden Ziel der Lebenserhaltung wird in den meisten Fällen durch eine Art Verhör durch den Arzt ersetzt, indem dieser nach dem einleitenden Satz: „Was führt Sie zu mir“ und der darauf folgenden Antwort die Regie übernimmt und kaum eine Möglichkeit zur freien Äußerung des Patienten gibt. So entsteht einerseits ein Bild der Krankheit und des Krankheitsgeschehens, das dem vorgefassten Urteil des Arztes soweit entspricht, wie es seinem Fragemuster und dem Diagnoseschlüssel entspricht und darüber hinaus wird dem Entstehen eines Vertrauensverhältnisses der Boden entzogen. Bei bestimmten Krankheiten werden vom Patienten sogar Begründungen verlangt, warum er eine bestimmte Krankheit, z. B. Lungenkrebs, Herzinfarkt oder Diabetes bekommen hat. So wird der Patient vom Hilfesuchenden zum Angeklagten, der durch sein Rauchen, seine falsche Ernährung oder zu wenig Sport seine Krankheit selbst verschuldet hat und nun der Solidargemeinschaft zur Last fällt. Alle Angaben des Patienten, die dem propagierten Schema der Krankheitsentstehung bestimmter Krankheiten widersprechen, werden vom Arzt mit Ungläubigkeit zur Kenntnis genommen und distanzierend in ärztlichen Berichten festgehalten. Es versuche doch einmal ein Patient mit „hohen Leberwerten“ einen Arzt davon zu überzeugen, dass er nur selten Alkohol oder gar keinen Alkohol trinkt! Die Situation ist durch das Anspruchsdenken des Arztes bestimmt, nur er könne wissen, was dem Patienten fehlt, denn er verfügt ja über die wissenschaftlichen Mittel, dieses zuverlässig festzustellen. Dennoch glaubten im Jahr 2003 bei einer Befragung 19% der Bevölkerung, mindestens einmal im Leben von einem Arzt falsch behandelt worden zu sein. Ergebnisse von Untersuchungen an den Verstorbenen in einzelnen Städten lassen den Schluss zu, dass in solchen Zahlen nur die Spitze eines Eisbergs zu sehen ist. Hier ergaben sich Anteile von 20% bis 40%, bei denen die auf dem Totenschein angegebene Todesursache nicht mit dem Befund der Nachuntersuchung übereinstimmte. Diese Fakten haben dazu geführt, dass selbst in der Ärztepresse zur „zweiten Meinung“ geraten wird – was einen zusätzlichen Aufschwung des Medizinbetriebs garantiert, aber an den Ursachen nichts ändert

Nicht zuletzt wegen dieser Situation ist auch das Vertrauen in die ärztlichen Verordnungen sehr gering. Hinzu kommt die mangelnde Vertrauenswürdigkeit der Medikamente, die vom Arzt verschrieben werden und die mit kleingedruckten Beipackzetteln geliefert werden, die im Normalformat eine ganze Broschüre ausmachen würden. Wer auf solche Medikamente angewiesen ist, hat es sich oft schon abgewöhnt, die Neben- und Wechselwirkungen sowie die Gegenanzeigen durchzulesen, da diese dazu geeignet sind, einen Nozebo-Effekt zu erzeugen. Böse Zungen behaupten sogar, die meisten Menschen würden am Ende nicht an ihrer Krankheit sterben, sondern an den Vergiftungen durch Medikamente. Glaubwürdigen Berichten zufolge liegt die Einhaltung der Einnahmevorschriften (Compliance) bei etwa 50%. Die am Ende im Müll landenden Medikamente machen schon seit Jahrzehnten jährlich Milliardenbeträge aus. Bei alledem ist dem Patienten aber auch nicht geholfen, da Krankheiten zwar  oft wie von selbst verschwinden, bei schweren chronischen Krankheiten jedoch zu Siechtum und Tod führen und am Lebensende ein menschenwürdiges Sterben erschweren.

Die Hierarchie und bis zur Unüberschaubarkeit getriebene Spezialisierung innerhalb der Ärzteschaft führt zu Verwirrungen beim Patienten. Nicht nur für Juristen gilt die Lebensweisheit:“Frage 10 Juristen und Du erhältst 10 Meinungen.“ Die Sprache bietet eben viele Möglichkeiten. Die Sprache ist es aber auch, die den Verständigungsprozess zwischen Arzt und Patient trägt. So kommt es, dass einerseits die von zwei Ärzten getroffenen Aussagen mit gleichem Inhalt vom Patienten unterschiedlich bewertet werden. Hierbei kommt es auf das Sprachvermögen der Beteiligten und das Bemühen um echte Kommunikation an. In der Arztpraxis liegt eher eine ungünstige Gesprächssituation zwischen dem oft hochspezialisierten Arzt und dem nur in seltenen Fällen auf gleichem Sprachniveau sprechenden Patienten an. Diese Situation lässt die Aufklärungspflicht des Arztes in vielen Fällen zu einer lästigen Pflicht verkommen. Schwieriger für den Patienten wird es, wenn er z. B. von seinem Hausarzt zu verschiedenen Fachärzten geschickt wird, die für den Patienten eindeutig zu verstehende unterschiedliche Beurteilungen der Krankheit mit unterschiedlichen Medikationsvorschlägen zur Folge haben. Diese Situation kommt sowohl bei niedergelassenen Ärzten, wie auch in Krankenhäusern vor. Am Ende entscheidet der überweisende Hausarzt bzw. der Stationsarzt, wie mit den eingeholten Facharztberichten zu verfahren ist. Solche Situationen entstehen vor allem bei Mehrfacherkrankungen wie z. B. bei einer Kombination aus Diabetes, Herz-/Kreislauferkrankungen und Nierenerkrankungen. In diesem Zusammenhang besteht ein spezielles Problem darin, dass für alle wichtigen Erkrankungen medizinische Leitlinien – in den meisten Fällen – von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) herausgegeben werden. Diese Leitlinien sind zwar rechtlich nicht verbindlich und müssen auf den Einzelfall angepasst werden, sie führen jedoch bei Mehrfacherkrankungen und/oder mehreren beteiligten Ärzten – z. B. einem Internisten und einem Kardiologen, der ein Spezialist innerhalb des Fachgebiets der Inneren Medizin ist – manchmal zu  Disputen, die auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird. Darüber hinaus führen diese Leitlinien bei Ärzten zu einem Dogmatismus, der bei einem Arztwechsel zu unterschiedlichen Behandlungen derselben Krankheit beim selben Patienten führen kann, bei diesem ein Staunen auslöst und das Misstrauen gegenüber den Ärzten verstärkt.

Eine ambulante Versorgung durch Notdienstpraxen ist durch die kassenärztlichen Vereinigungen nicht flächendeckend gewährleistet. In Westfalen wird z. B. auf die Krankenhäuser verwiesen. Das führt dazu, dass auch solche Patienten, die nachts, an Wochenenden oder an Feiertagen Hilfe bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen benötigen bei der Notaufnahme im Krankenhaus landen und dort in vielen Fällen stationär aufgenommen werden. Dabei kann es passieren, dass ein Patient mit Nierenkoliken – also Nierensteinleiden – die zum wiederholten mal auftreten nicht mit schmerzstillenden Mitteln versorgt wird bis er zu einem Urologen in die Praxis gehen kann, sondern in einem Krankenhaus, das gar keine urologische Abteilung besitzt, langwierig auf alles mögliche hin untersucht wird – nur nicht auf Nierensteine, da die entsprechenden Geräte und das Personal für die Diagnostik fehlen. So etwas kann man auch als unterlassene Hilfeleistung bezeichnen! Darüber hinaus führt es zu unnötigen Kosten im Gesundheitssystem und zusätzlichen Belastungen des Patienten.

Trotz großer Medienkampagnen gegen die Einflussnahme von Pharmaunternehmen und Medizin-Produktherstellern (z. B. künstl. Herzklappen) in den letzten Jahren hat man als Patient den Eindruck, dass man bei bestimmten Leiden wie Arthrosen im Knie oder im Hüftgelenk von den Ärzten mehr als Kunde denn als Patient angesehen wird. Das gleiche gilt z. B. bei Geräten wie tragbaren Defibrillatoren bei bestimmten Herzerkrankungen oder Anti-Schnarch-Masken beim Schlafapnoe-Syndrom. Solche Geräte sind für die Patienten sehr belastend und werden hinsichtlich ihrer Effizienz und Verlaufskontrolle nur unzureichend begleitet. Ohne die Zusammenhänge genau zu durchschauen geraten Patienten mit Hilfe von Ärzten so in die Rolle des Anwalts für Firmeninteressen.

Die Verordnung von Insulin, Cholesterinsenkern und anderen Präparaten wird bei verschiedenen chronischen Krankheiten als Standard praktiziert. In Krankenhäusern wird Diabetikern, die bisher mit Diät und Tabletten auskamen keine individuell angepasste Ernährung geboten. Statt dessen wird der Blutzuckerspiegel engmaschig überwacht und in mir bekannten Fällen vom Pflegepersonal in eigener Verantwortung durch Insulingaben reguliert – wenn es denn gut geht! So kommt der Patient schließlich an die Spritze und das Krankenhaus hat einen Fall mehr zu versorgen. Dieses muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass bereits seit einigen Jahren Bemühungen von Lobbyisten der Pharmaindustrie existieren, die von den medizinischen Laboren angegebenen Grenz- oder Zielwerte für einige weit verbreitete „Volksseuchen“ wie hohen Cholesterinspiegel, Blutzucker und Blutdruck zu senken. Die Senkung solcher Werte zieht große Zahlen neuer Patienten mit erkorenen Krankheiten nach sich und jeder neue Patient ist ein potentieller Kunde.

Die prekäre Personalausstattung und die Organisation im Krankenhaus führt zur Verlagerung von Verantwortungen auf niedrigere Hierarchieebenen. Persönliche Ansprechpartner für den Patienten innerhalb der Ärzteschaft gibt es nicht mehr. Stationsärzte wechseln in wöchentlichen bis täglichen Abständen. Sie tragen keine Namen mehr auf ihren Namensschildern sondern Bezeichnungen wie „ärztlicher Dienst“ oder ähnlich. Selbst das Pflegepersonal kennt zeitweise den diensthabenden Arzt nicht mehr und kann diesen auf Nachfrage des Patienten nicht benennen. Welcher Arzt den Patienten behandelt, ist auch auf den höheren ärztlichen Hierarchiestufen vom Engagement des Pflegepersonals abhängig. Die Behandlung des Patienten erfolgt unter diesen Bedingungen nach Standardabläufen, die eine individuell abgestimmte Reaktion auf die Situation des Patienten blockieren. So kann es passieren, das Patienten stundenlang in ihren Betten auf Fluren oder in Untersuchungsräumen vergessen werden, weil sich plötzlich keine Station mehr für sie zuständig findet, oder die Entlassung aus der stationären Behandlung zum Wochenende zwar nach Auffassung des Stationsarztes medizinisch möglich wäre, der entscheidende Oberarzt jedoch gerade nicht anwesend ist und somit eine Entlassung nicht verantwortet werden kann.

Die Verhältnisse, die ich hier in Ausschnitten angesprochen habe, müssen nicht in jedem Punkt repräsentativ sein. Es sind jedoch strukturelle Merkmale erkennbar, die den Einfluss des Wirtschafts- und Finanzsystems auf das Gesundheitssystem als „unsichtbare Hand“ hinter den Entwicklungen als wahrscheinlich erscheinen lassen. In dieser Beziehung sind die Schaffung neuer Bedarfe durch wissenschaftlich-technischen Fortschritt – der wie bei der Weiterentwicklung von Generika z. B. oft nur ein Scheinfortschritt ist – zentrale Kennzeichen kapitalistischen Wirtschaftens. Die Ausstattung der Patienten mit persönlichen Medizingeräten, die Neubewertung von Therapien auf der Grundlage fragwürdiger Gutachten mit weitreichenden Konsequenzen für die Patienten sind prägnante Beispiele für die Erfüllung des Zwangs der kapitalistischen Geldwirtschaft, ständiges Wachstum zu produzieren und der menschlichen Imagination freien Lauf zu lassen, um immer neue Produkte zu schaffen, die neue (Schein)-Bedürfnisse befriedigen. Die Fähigkeit zur Imagination erweitert hierbei die alte Fortschrittsidee und ist zu einem wichtigen Produktionsfaktor geworden, der die Arbeit und die Energie ergänzt und ein ständiges weiteres Wachstum durch die Erweiterung der Nachfrage ermöglicht. Dabei ist die Erzielung eines Mindestwachstums zur Erhaltung des Systems von solch immanenter Bedeutung, dass „Kollateralschäden“ in der Natur und beim Menschen in Kauf genommen werden.

 

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Onkel Heini

Onkel Heinrich – in der Familie immer nur münsterländisch Hinnink oder Heini genannt – war Anfang der neunziger Jahre in betagtem Alter in Westbevern gestorben. Er war eines von 7 Kindern gewesen und der zweite von vier Brüdern, die den zweiten Weltkrieg überlebt hatten. Sein ganzes Leben lang war er nicht über die engere Heimat, die gerade noch die Nachbardörfer von Westbevern erfasste, hinausgekommen. Seine Welt konnte er noch gut mit dem Fahrrad als seinem einzigen Verkehrsmittel durchfahren. Als Kind traf ich ihn häufig sonntags bei meiner Tante in Telgte, wenn er dort zum Kirchgang war. Bis zum mittleren Alter bediente er sich seines Fahrrads, mit zunehmendem Alter nahm ihn der Bauer häufig in seinem Auto mit. So wurden die Besuche bei seiner Schwester immer seltener und irgendwann hörten sie auf. Von jenem Zeitpunkt an drehte sich die Besuchsrichtung um und Onkel Heini geriet nur sporadisch aus besonderen Anlässen in mein Blickfeld.

Wie alle seine Geschwister war Onkel Heini „in Stellung„, das bedeutete für ihn – wie für die übrigen Geschwister mit Ausnahme meiner Mutter – er war  bei einem Bauern als landwirtschaftliche Hilfskraft tätig. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Bauern ging weit über ein Arbeitsverhältnis hinaus, er hatte nahezu die Stellung eines „Öhm anne Muer„, d. h. eines unverheirateten Bruders des Bauern, der sich dem Hof zur Verfügung stellte. Diese Rolle ging zurück auf das jugendliche Alter, in dem Onkel Heini seinen Dienst antreten musste und den Umstand, dass er in seiner geistigen Entwicklung hinter seinen Geschwistern zurück geblieben war und Bettnässer war. Diese Handicaps wurden in der Kommunikation der Familienmitglieder unter dem Synonym „tirpken“ zusammengefasst. Die Bedeutung dieses Wortes hat sich mir bis heute nicht erschlossen und es hat diesem Onkel einen Hauch von Geheimnis verliehen. Auch ohne diesen Nimbus hatte die Persönlichkeit bei mir tiefe Eindrücke hinterlassen. Sein gesundes Aussehen mit der kräftig roten Farbe im runden Gesicht und die fragende naive Redeweise erzeugten bei mir den Eindruck ursprünglicher und unschuldiger menschlicher Natur. So ist es wohl zu erklären, dass sich am Tag seiner Beisetzung nach Jahren der nur sporadischen Kontakte zu ihm eine tief empfundene Trauer bemerkbar machte.

Bereits im Kindesalter hatte mir der Großvater vom Leben in den Dörfern des Münsterlandes erzählt und auch die Zeiten der Kriege nicht ausgespart. Hierzu gehörten seine Erlebnisse in den Schützengräben von Verdun mit den grausamen Gefahren durch Gasangriffe und sein Stolz auf seine Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz. Aus seinen Erzählungen aus der Zeit des Nationalsozialismus ist mir in Erinnerung geblieben, dass er seinen Sohn Heinrich, eben jenen Onkel Heini, vor dem Zugriff durch die Nationalsozialisten gerettet hatte, indem er persönlich bei der Gemeindeverwaltung gegen die schriftlich angeordnete Zwangssterilisation seines Sohnes protestierte. Seinen Widerspruch zum Nationalsozialismus hatte er offen zum Ausdruck gebracht, indem er den Hitlergruß verweigerte und dem ein „grüß Gott“ entgegen setzte. Damit befand er sich vereint in dem breiten Widerstand des münsterländischen Katholizismus gegen den Nationalsozialismus, der zu einer vorsichtig taktierenden Haltung der politischen Institutionen im Münsterland geführt hatte.

Onkel Heini verkörperte für mich auf Grund seiner Errettung vor den Nazis einen lebenden Beweis für Zivilcourage und den Sinn authentischen Widerstandes gegen lebensverachtende Systeme.

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Heimat – Ein Thema für Politiker?

Heimat – ein Thema für Politiker?

Zu den Grundbedingungen des Lebens als Individuum gehört die Geburt, mit der sein Körper in die durch Raum und Zeit bestimmte Welt eintritt. Damit erhält das Neugeborene seine ersten unauslöschlichen Prägungen. „Der Blutandrang und das Erstickungsgefühl, die das Kind erlebt, bevor die Lungentätigkeit einsetzt, lösen kurzzeitig höchstes Entsetzen aus, dessen körperliche Äußerungen (Atemnot, Kreislaufstörung, Schwindel oder gar Ohnmacht) dazu neigen, in jähen Augenblicken der Angst immer wieder aufzutreten, mehr oder weniger stark. Als ein Archetypus der Wandlung bricht so das Geburtstrauma mit beträchtlicher Gefühlsintensität über den kurzen Moment verlorener Sicherheit und drohenden Todes herein, der jede einschneidende Veränderung begleitet. In der Bilderwelt der Mythologie und Religion sticht dieses Motiv der Geburt (öfter noch der Wiedergeburt) außerordentlich hervor, ja, jede Schwellenüberschreitung – nicht nur diese von der Dunkelheit des Mutterschoßes in das Licht der Sonne, sondern auch die von der Kindheit ins Erwachsenenleben und vom Licht der Welt in das Geheimnis eines Dunkels, das jenseits der Pforte des Todes liegen mag – ist einer Geburt vergleichbar und ist praktisch überall durch Bilder vom Wiedereintritt in den Mutterschoß rituell dargestellt worden.“ (Zitat: Joseph Campbell; „Die Masken Gottes“)

Zunächst verloren im Raum widrigen Bedingungen ausgesetzt, vor denen es noch durch Pflegepersonen geschützt werden muss, erobert das Kleinkind nach und nach den umgebenden Raum, zunächst robbend und krabbelnd, dann mit ersten Steh- und Gehversuchen die Wohnung und schließlich den Garten oder das nähere Umfeld der Wohnung. Die „Eroberung“ seines Erlebnisraums setzt sich für das Kind über die Spielplatzdistanz, zur Kindergartendistanz, zur Grundschuldistanz und schließlich über das Wohnviertel hinaus in die gesamte Stadt – die Heimatstadt – fort. Die Stadt – oder bei großen Städten der Stadtteil – bzw. die Gemeinde sind jene Räume, die für viele Menschen im Jugend- und Erwachsenenalter für einen längeren Zeitraum die Funktion der Heimat übernehmen.

Eine im Sinne des menschlichen Reifungsprozesses gute allgemein gültige Beschreibung von Heimat hat der Sozialpsychologe Alexander Mitscherlich – ein guter Kenner des sozialen Phänomens Stadt – in den 1980er Jahren gegeben:

Heimat ist gewiß kein objektiver Tatbestand. Es wird nicht gelingen, auch nur entfernt all die Umstände und Gefühle zu bezeichnen, die für eine Steigerung des bloßen Hausens, Wohnens, Schlafens, Essens zum genußvollen Wohnen unerläßlich sind. Die Auffassung, die ich auf die Frage, was eine Wohnung zur Heimat macht, vorschlage, läuft darauf hinaus, daß es nicht schöne Möbel, nicht weiche Teppiche, nicht große Zimmer, nicht helle Fenster, nicht Lage und Kunst des Architekten in erster Linie sind, die darüber entscheiden. . . Um sich beheimaten zu können, bedarf es doch einer Verzahnung mit der menschlichen Umwelt insbesondere; ich will mich niederlassen, und die anderen müssen mir den Platz dazu mit freundlichen Gefühlen abtreten.

Es ließe sich die Definition wagen, daß eine Wohnung durch diese Verzahnung mit der Mitwelt zur wirklichen Heimat wird und es bleibt, solange es nicht nur Gewohnheiten sind, die mich in sie zurückführen, sondern die lebendige Unabgeschlossenheit mitmenschlicher Beziehungen, die Fortsetzung des gemeinsamen Erfahrens, Lernens, mit anderen Worten: eine noch offene Anteilnahme am Leben. Wo ich diese Mitmenschlichkeit finde, teilt sie sich dem Ort und seinen Gegenständen mit, entsteht eine gemütliche Atmosphäre.“ (Alexander Mitscherlich: Konfession zur Nahwelt)

Hier ist auf eine Bedingung hingewiesen, die in der gegenwärtig „wütenden“ Heimatdiskussion in deutschen Landen nicht zum Ausdruck kommt: Die Verzahnung des privaten Raums der Wohnung mit dem öffentlichen Raum der Straße, des Stadtviertels usw., wie sie noch vom Kind in ursprünglicher Weise erfahren wird. Ein Grund für diese Unbeachtlichkeit des Wohnumfeldes ist sicher in vielen Fällen die Tatsache, das dieses Wohnumfeld schlecht gestaltet ist und keinen Anreiz bietet, sich darin aufzuhalten, oder der Berufs- und Alltagsstress ist zu groß, als das die Zeit bliebe, die Angebote in diesem Umfeld in Anspruch zu nehmen und mitzugestalten.

In einer globaleren Perspektive stellt sich dieses Defizit als Endergebnis eines Prozesses dar, der mit der Industrialisierung am Ende des 18. Jahrhunderts begonnen hat und den ich als Voraussetzung für die Bewertung aktueller Tendenzen anhand eines Artikels mit dem Titel „HEIMATSCHUTZ UND DAS ENDE DER ROMANTISCHEN UTOPIE“ zusammengefasst darstellen möchte. Dieser Artikel des – von der neuen Rechten gern in Anspruch genommenen – Historikers Rolf Peter Sieferle, für die Zeitschrift arch+ geschrieben, ist über den Link im Volltext erhältlich.

Den Prozess des Heimatverlusts stellt Sieferle als den Verlust des Wunschortes dar, der vom Programm der deutschen Romantik ersehnt war. Dabei handelte es sich um einen gegenrevolutionären Entwurf gegen das aufklärerische Programm der Verwirklichung einer universellen, allgemeingültigen Vernunft, die gegen die Rechte des Individuums durchgesetzt werden müsste. „Die Idee der Heimat beschwor ein utopisches Bild: den Dreiklang von Volk, Natur und Individuum, eine organische Symbiose, die Wurzel jeder wahren und lebendigen Kultur sein sollte. »Natur« wurde in diesem Zusammenhang als eine ganz bestimmte »Landschaft« aufgefaßt, die den eigentümlichen Lebensraum des Volkes bildete, das diese Landschaft als Kulturlandschaft geschaffen hatte und dessen Wesen mit dieser Landschaft harmonisierte. Das Volk besitzt seine nationale Seele, seine eigentliche Identität in dieser Landschaft, ohne die es »entwurzelt« und verloren ist.“ (Zitat: Sieferle) Die Romantiker des 19. Jahrhunderts gingen so von einer traditionell geschlossenen Gesellschaftsordnung aus, in der eine organische Symbiose von Landschaft, Feld und Wald bestehen sollte. Neben der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff gehörten dieser Bewegung auch weitere namhafte Künstler wie der Maler Caspar David Friedrich und der Komponist Richard Wagner an.

Die bereits von den Romantikern als Zukunftsprojektion vorhergesagten Wirkungen der Aufklärung und der in ihrem Zuge stattfindenden Industrialisierung brachten tiefgreifende Umstrukturierungen in Land- und Forstwirtschaft („Verkoppelung“ und Aufhebung der Allmende, Einschlag der Laubwälder und Anlage von Fichtenmonokulturen, Landflucht und Verstädterung, Verlust der Baukultur durch stilistische Verflachung und industrielle Produktion, hygienische Probleme in den Städten). Ganz neue Anforderungen an Städte und Verkehrswege stellte schließlich das Auto, das mehr und mehr die Regie im öffentlichen Raum übernahm.

Gegen Ende des 19. Jh. war von der romantischen Landschaft nicht mehr viel zu sehen. Dennoch griff der Musiker Ernst Rudorff mit dem 1880 erschienenen Aufsatz „Über das Verhältnis des modernen Lebens zur Natur“ den Protest einer Bevölkerungsgruppe auf, die sich als Verlierer der immer schneller voranschreitenden Homogenisierung von Kultur und Landschaft sah. Er wurde damit zum Begründer der deutschen Heimatschutzbewegung, die auf Grund des raschen Fortschritts der Industrialisierung immer neue Themen zu kritisieren hatte (Flussregulierungen, Rationalisierung der Landwirtschaft, Tourismus). Der Verlust der Ästhetik und der Volkskultur waren die ideellen Antriebe der Bewegung, der sich auch nicht durch kostengünstige Verfügbarkeit neuer Industrieprodukte wettmachen ließ.

Mit der Gründung des „Bund Heimatschutz“ im Jahr 1904 bekam die Bewegung eine programmatische Plattform, die den Aufgabenbereich mit folgenden Punkten umriss:

  • Denkmalpflege,
  • Pflege der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise; Erhaltung des vorhandenen Bestandes,
  • Schutz des Landschaftsbildes einschließlich der Ruinen,
  • Rettung der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt sowie der geologischen Eigentümlichkeiten,
  • Volkskunst auf dem Gebiete der beweglichen Gegenstände,
  • Sitten, Gebräuche, Feste und Trachten,

Mitinitiator dieses Programms war der Architekt und spätere NSDAP-Politiker Paul Schultze-Naumburg. Aus Sicht des Heimatschutzes wurden in dieser Zeit Entwicklungen wie Aussichtstürme, Reklametafeln, Kraftwerke, Flurbereinigung, Stauseen und Steinbrüche beurteilt. Gefördert wurde die Einrichtung von Heimatmuseen, Bauberatung, pädagogische Aufklärung. Der Bund arbeitete an Gesetzentwürfen mit und erarbeitete Maßnahmenvorschläge gegen Gewässerverschmutzungen.

Es kam auch zur Zusammenarbeit mit vielen europäischen Ländern, die sich auf die in allen modernen Kulturstaaten bestehende Grundproblematik des rücksichtslosen Kapitalismus stützte, der in letzter Linie auch bei allen Fragen des Heimatschutzes zugrunde liegt. Damit nahm die Bewegung eine deutliche Gegenpositon zum Kapitalismus ein, die sowohl für die Arbeiterbewegung wie für das Bildungsbürgertum anschlußfähig war. Bürgerliche Zivilisationskritiker kritisierten den ästhetischen Verfall, die rasante Veränderung von Städten und Landschaften während die politische Linke ihre Kritik an den sozialen Verwerfungen des Fortschritts festmachte und die vom Bürgertum gepflegten und geschützten Traditionen als lästige Überreste ansah, die sie als Hindernisse auf dem Weg in eine bessere Zukunft wahrnahm. „Diese Komplementarität von linker und rechter Kapitalismuskritik machte sich seit der Jahrhundertwende darin geltend, daß jede der beiden Strömungen jeweils spezifische Krisenmomente und Bedürfnisverletzungen durch das entstehende Industriesystem wahrnehmen konnte, ohne daß es ihnen möglich gewesen wäre, diese Beobachtungen in einer synthetisierenden Erklärung zusammenzufassen. Beide besaßen sie aufgrund ihrer Orientierung auf »Fortschritt« oder »Tradition« eine spezifische Problemblindheit.“ (Zitat Sieferle) Beide Seiten gingen von Projektionen in andere Zeiten aus, an denen sie die jeweilige Gegenwart bewerteten – Die Linke in die Zukunft, das Bildungsbürgertum in die Vergangenheit, was zur Folge hatte, dass sich für die politische Linke die Realität tendenziell ihrer Zukunftsprojektion annäherte, während die Restbestände bürgerlicher Schutzgüter immer weniger wurden.

In den Denkmustern von Ken Wilbers Integraler Theorie können die beschriebenen Positionen als Wege der Aufsteiger und Absteiger gesehen werden. In der Sicht Wilbers ist der vom Bürgertum seit der Renaissance und während der Aufklärung beschrittene Weg des Aufstiegs zum geistigen Durchbruch des Personalen in ein höheres Sein heute im Niemandsland verloren und der Weg der Absteiger bestimmt das Bild. Letztere sehen das Heil in den flüchtigen Herrlichkeiten dieser Welt. Mit den Worten Wilbers: „Die Aufsteiger werfen den Absteigern vor, sie hielten an ihrer Höhle der Schatten (Anm.: gemeint ist Platons Höhlengleichnis) fest, sie seien Materialisten, Hedonisten, Theisten und glaubten, es existiere nur das, was mit den Sinnen zu erfassen sei. Die Absteiger nennen die Aufsteiger repressiv, puritanisch, lebensverneinend, sexualitätsfeindlich, körperfeindlich, sie werfen ihnen vor, sie zerstörten die Erde.

Trotz dieser Schwäche innerhalb der Bewegung war der Einfluss der neu formierten Heimatschutzbewegung um das Jahr 1910 so stark, dass der Bund der Industriellen 1911 die „Kommission zur Beseitigung der Auswüchse der Heimatschutzbestrebungen“ einsetzte.

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus erschien gegen Ende der 1920er Jahre ein neuer Hoffnungsträger auf der politischen Bühne, der einerseits die konservativen Kräfte in der Heimatschutzbewegung ansprach und andererseits rhetorisch mit dem Vokabular von Heimat, Blut und Boden genau diese Zielgruppe ansprach. Eine Schlüsselfigur in der Anbahnung der Beziehungen zwischen Nationalsozialismus und Heimatschutz wurde der bereits erwähnte Paul Schultze-Naumburg. Seine fruchtlosen Bemühungen um die Erzeugung eines von breiten Schichten des Volkes getragenen Heimatbewusstseins im Sinne der harmonischen Einheit von Landschaft und Bauten ließen die Überzeugung wachsen, diese Ignoranz müsse ihre Ursache in tiefgründigen Störungen des Gefühlsempfindens im Volk haben. „Schultze-Naumburg folgte hier dem verbreiteten Muster der rassenhygienischen Theorie, wonach der medizinische Fortschritt, die zunehmende Hygiene im Alltag sowie die staatliche Armenfürsorge die Mechanismen der natürlichen Auslese aufgehoben hatten, wodurch sich rassisch Minderwertige fortpflanzen und vermehren konnten. Dies führte zu einer Verschlechterung der völkischen Substanz und es war dann nur folgerichtig, wenn sich diese auch in der Gestalt der Umwelt ausdrückte„. Damit war eine wesentliche Übereinstimmung mit den Auffassungen Hitlers und anderer führender Meinungsbildner gegeben, aus der sich unterschiedliche Konsequenzen ziehen ließen, die von religiös motivierter Reinigung (Quietismus) bis zum Völkermord (Genozid) reichten.

Mit der Verabschiedung des Reichsnaturschutzgesetzes und der in diesem Zuge erfolgten Einrichtung der Reichsstelle für Naturschutz 1935 schienen sich nun auch auf politischer Ebene die Hoffnungen der Heimatschutzbewegung zu erfüllen. Es stellte sich jedoch schon bald heraus, dass die Prioritäten des Nationalsozialismus nicht in einer romantisierenden „Blut und Boden“-Politik lagen, sondern in der Eroberung neuen Lebensraums und der Vernichtung des Judentums. Im Ergebnis war der Nationalsozialismus mit seiner Umwandlung von Mooren zu Nutzflächen, seiner Rationalisierung der Landwirtschaft, seiner Gigantomanie und Automatisierung im Bauen und die Ablösung regionaler Kulturen durch Gleichschaltung auf Reichsebene im Ergebnis eine technokratische Bewegung in romantischem Gewand, von der die technokratische Kern bis in unsere Tage überlebt hat. Noch einmal Sieferle im Originalton:

Der Nationalsozialismus nahm die konservative Utopie im Blut-und-Boden-Mythos auf, formulierte sie jedoch rassentheoretisch, antisemitisch und letztlich auch technokratisch um, so daß sie zur Legitimation einer Praxis verwandt werden konnte, die im totalen Krieg und im Völkermord kulminierte. Die Kritik daran konnte im Grunde nur noch von links kommen, weil die Rechte, selbst wenn sie die nationalsozialistischen Verbrechen nicht billigte, keinen Bezugspunkt mehr hatte, von dem aus sie Kritik äußern konnte. Für die Linke waren Natur- und Landschaftsschutz jedoch weiterhin »rechte«, wenn nicht »faschistische« Themen.

Sieferle zieht das Resumee, die ursprünglich von der Heimatschutzbewegung verfolgten Ziele seien mangels Masse nicht mehr im Wirklichkeitsraum vorhanden. Statt dessen habe eine Musealisierung der „Heimat“ stattgefunden, womit am deutlichsten sichtbar werde, daß sie an ihrem Ende angelangt, daß sie „modern“ geworden sei. Die Moderne schaffe keine bleibenden Gegenstände. Alles sei vorläufig, zum alsbaldigen Gebrauch bestimmt, Sperrmüll auf Abruf. Deshalb unterscheide sich der heutige Natur- und Landschaftsschutz gravierend von den romantischen Zielen der Heimatschutzbewegung und hierin bestätigt sich eine wesentliche Prognose von Karl Marx.

Dennoch haben die im Programm des „Bund Heimatschutz“ aufgeführten Schutzgüter weiterhin als gesetzlich verankerte Ziele Bestand in verschiedenen Gesetzen. Als umfassendstes Gesetz ist das Baugesetzbuch zu erwähnen, das seit 1960, zunächst unter der Bezeichnung „Bundesbaugesetz“, die Raumnutzung flächendeckend regelt und – jedoch ohne den durch den Nationalsozialismus verbrannten Begriff „Heimat“ zu benutzen – auch die Aspekte des Heimatschutzes berücksichtigt. Weitere Gesetze sind die Denkmalschutzgesetze der Länder, das Bundesnaturschutzgesetz, das Wasserhaushaltsgesetz, das Bundesimmissionsschutzgesetz und das Bundesfernstraßengesetz zu nennen, die auf nationaler Ebene wesentlichen Einfluss auf die Raumnutzung ausüben. Daneben ist das Raumordnungsgesetz zu nennen, das die Leitlinien der Raumentwicklung in Deutschland enthält. Allen genannten Gesetzen liegen Prinzipien des Rechtsstaats zu Grunde, die insbesondere Abwägungsprozesse zwischen den konkurrierenden Raumnutzungen und -nutzern sowie spezielle Umweltverträglichkeitsprüfungen vorsehen. Dabei ist die Rechtsstellung des Bürgers von Gesetz zu Gesetz unterschiedlich stark ausgeprägt.

In der hier interessierenden Bewertung der in den derzeit geltenden Gesetzen enthaltenen Veränderungspotentiale mit Blick auf den Heimatschutz im ursprünglichen Sinn ist dem Urteil von Sieferle zuzustimmen: Die Nutzung des Raumes ist nur solange geschützt, wie keine höherrangigen Ziele sich in Abwägungsprozessen durchsetzen können (Eine Null-Lösung – d. h. den Verzicht auf vorgesehene Maßnahmen – gibt es dabei nur hypothetisch). Was aber höherrangig ist, wird in politischen Prozessen entschieden. Die von Romantikern beschworene Harmonie in einer organischen Symbiose von Volk, Natur und Individuum hat es wahrscheinlich nie gegeben – außer vielleicht in jungsteinzeitlichen Siedlungen wie Çatalhöyük – und liegt außerhalb realistischer Zukunftserwartungen. Ob das aber jeden dazu berechtigt, wie Sieferle schlussfolgert, sich nun aus der Geschichte zu holen, was ihm gefällt und was er heute, in der Gegenwart, in der er selbst lebt, für angemessen und richtig hält, ist die große Frage, vor der die gegenwärtigen Generationen stehen. Die Populisten unserer Tage haben die Antwort allerdings bereits gefunden – sei heißt: Ja!

Im Lichte der romantischen Vorstellungen von Heimat ist die derzeitige Heimatbewegtheit von AfD, Pegida und Identitären entweder als Aufschrei der Heimatlosen zu werten, die sich verspätet des Verlustes ihrer mythischen Heimat bewusst werden, oder als rhetorisch plumpe, aber wirkungsvolle Anknüpfung an die braune Vergangenheit zu beurteilen. Vielleicht trifft auch beides zu. Es sollte allerdings aus der jüngeren Geschichte klar geworden sein, dass beides in die politische Ohnmacht bzw. Isolierung oder Despotie führen wird.

Sieferle’s Empfehlung bedeutet einen großen Sprung in das Niemandsland, als wäre die Welt um uns herum tabula rasa. Er geht darüber hinweg, eine Beschreibung von Heimat zu suchen, die jenseits der von ihm skizzierten romantischen Vorstellungen davon existiert.

Heimat wurde und wird in vielen Kulturen und Ländern wahrgenommen und ist kein originäres deutsches Gut, das als solches zu schützen wäre. Soldaten und Seeleute haben zu allen Zeiten und in allen Ländern besonders intensive Erinnerungen an ihre Heimat verspürt, wenn sie fern ihres Heimatlandes im Einsatz waren und sie dachten hierbei in erster Linie an Frau und Kinder oder ihre Eltern. Das weist doch ganz stark auf die ursprüngliche Bindung an Familie und Wohnung hin, also jenen Ort, der die ersten Raumerfahrungen des Menschen ausmacht. Es weist aber auch gleichzeitig auf den Wandel der Raumerfahrungen hin, der sich aus dem Wechsel von Perspektiven und der Vergrößerung oder Verkleinerung des Raumes ergibt. Wir erschließen die Welt, indem wir über die bisher bekannte Welt hinausgehen. Das Kind schließt gewissermaßen Freundschaft mit dem angeeigneten Raum und erhält so das notwendige Vertrauen, um von hier aus in die Unbegrenztheit neuer Räume weiterzugehen. Dabei entstehen Ängste, die nur durch die fundamentale Erfahrung des immer wieder zu erlangenden Gefühls des Zuhauseseins überwunden werden können. Denn, so der Philosoph Martin Heidegger, „das Wohnen ist die Weise, wie die Sterblichen auf der Erde sind.“

Allerdings: ln unserer nomadischen Zeit der ubiquitären Heimatlosigkeit, des Exil, der Diaspora, der Entwurzelung, der globalen Mobilität scheint der Ort, als eine mögliche Heimstätte und Zuflucht, ein Auslaufmodell zu sein ( vgl. auch Morley: Home Territories; S. 2f.). Wo aber die Realität – wie immer eingeschränkt – als Hintergrund der Erfahrung fehlt, ist auch die projektive Erinnerung und utopische Imagination begrenzt. Möglicherweise ist aktuell gerade deshalb – im Angesicht des drohenden Verlusts – das Verlangen nach gewissen Formen der Beheimatung groß. Es handelt sich jedoch zumeist um ein regressives Verlangen nach »Heimat«, einem Band der Verbundenheit, einer »Verortung«, die in einer fiktiven Vergangenheit und »Gemeinschaft des Blutes« wurzelt. Dieses Verlangen der Verortung muss in einem xenophoben Reflex alles Fremde – als wahrgenommene Bedrohung der als homogener »Einheit« vorgestellten Gemeinschaft – abwehren, um den (Nicht-) Ort der Heimat ins Leben setzen zu können ( vgl. ders./ Robins: Spaces of Identity; Kap. 5). Es handelt sich bei solchen Nicht-Orten um »bereinigte« Räume, tatsächliche »Homotopien«, die dem anderen Raum der Utopie: seiner Offenheit nicht weiter entgegengesetzt sein könnten.“ (Zitat: Anil K. Jain: „Medien der Anschauung: Theorie und Praxis der Metapher (Neue Philosophie)“

Der zitierte Anil Jain weist jedoch auch auf die zu erwartende Entstehung eines radikalen utopischen Raumes hin, in dem sich die Sehnsüchte verschiedener Randgruppen treffen und sich verbünden, wie sich dieses in der internationalen Fluchtbewegung bereits abzeichnet. Auch diese benötigen Orte des Zuhauseseins, von denen sie in utopische Nicht-Orte, die nichts mit den imaginären Heimaträumen der Nation und des Volks zu tun haben, aufbrechen können. Hierbei handelt es sich um vielfältige Räume der Geborgenheit, die eine Ahnung von dem vermitteln, was man so schmerzhaft vermisst.

In der derzeitigen Diskussion um die Begrenzung der Probleme in Deutschland, die aus der kurzfristigen Aufnahme von ca. 1,2 Millionen Flüchtlingen entstanden ist, kommt diesem Gesichtspunkt besondere Bedeutung zu. Es erscheint mir durchaus legitim und folgerichtig, wenn im Land der Heimatlosen Zufluchtsorte entstehen, die als Basis für das Entstehen offener utopischer Räume dienen, die das rückwärtsgewandte Heimatideal der Romantik durch ein zukunftsweisendes Heimatstreben ersetzen und den Dualismus von Personalität und Soziabilität überwinden.

Vor den Herausforderungen einer technologischen Revolution durch künstliche Intelligenz mit Millionen freigesetzter Arbeitskräfte erscheint die immer wieder propagierte Integration der Flüchtlinge in den europäischen Arbeitsmarkt illusorisch, zumal auch in den wenig industrialisierten osteuropäischen Ländern erhebliche Arbeitskraft-Potentiale aus der Landwirtschaft in die Industrie drängen werden.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ist Heimat ein Thema für die Politik? Hierauf ein klares Nein! Die vom Innen- und Heimatminister in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung dargestellten Intentionen seines Heimat-Ressorts erzeugen den Eindruck, als handele es sich um eine Art Reparaturbetrieb für die Folgen der Globalisierung und des Neoliberalismus. Dabei wird allerlei zusammengestellt, was bereits spätestens seit der Finanzkrise und des Syrienkriegs zum Allgemeingut geworden ist und gerade wegen des aufgehäuften Problembergs eher zur Resignation als zur Tat motiviert. Dabei kann dann auch Joschka Fischer und Willy Brandt durchaus mit eingebunden werden.

Was soll denn nun Heimat sein, Herr Seehofer? Das ist schnell gesagt: „Es ist ein Kampf um die Bewahrung des Traditionellen, des Heimischen, des Allgemeinen, des Verbindenden und des Kollektiven„. Damit auch keiner der Flüchtlinge auf falsche Gedanken kommt, wird gewarnt: „Freiheit ist nicht ungefährlich. Sie ist auch nicht nur gemütlich. Wer nach Halt giert und nach Gewissheit, für den ist sie eine Zumutung. … Freiheit ist keine nette Beigabe zum Leben. Man muss sich ihr aussetzen und sie ertragen.“ Und zum Schluß wird Seehofer dann ganz deutlich: „Unser Land ist kein neutrales Siedlungsgebiet, sondern aus ihm sind Traditionen und eine ganz eigene Kultur erwachsen. Deshalb ist das Thema Integration mit dem Thema Heimat verbunden. Hier muss eine Auseinandersetzung über das Ziel von Integration begonnen werden. Nicht jeder, der über Arbeit, deutsche Sprachkenntnisse und ein leeres Vorstrafenregister verfügt, ist zwangsläufig integriert in unsere offene Gesellschaft. Das gilt für Zuwanderer wie auch für deutsche Staatsbürger gleichermaßen.“ Offene Gesellschaft? Das ich nicht lache! Und wie verträgt sich dieses damit: „Heimatbezogene Innenpolitik bedeutet somit auch eine stärkere Betonung der kulturellen Integration.

Meine Empfehlung: Den Artikel nicht lesen, er verwirrt nur.

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Über den wahren Papalagi

Es war Anfang der 1990er Jahre, als ein unbekannter Mann vor unserer Haustür stand und unsere Tochter den Besucher bei ihren Eltern mit den Worten: „Da steht ein finster aussehender Mann vor der Tür“ anmeldete. Gespannt ging ich zur Tür und sah einen kleinen gedrungenen Mann mit Brille, buschigen dunklen Augenbrauen und buschigem dunklen Schnauzbart, den ich sehr schnell als alten Bekannten identifizierte und in das Haus herein bat. 

Der Besucher stellte sich zunächst als neuen Fast-Nachbarn vor. Er hatte eine Haushälfte mit drei Wohnungen in unserer Nähe gekauft und bewohnte mit seiner Frau und zwei Söhnen eine der Wohnungen in diesem Haus. Nach und nach ergab sich aus dem, was er über die Zeit der Abwesenheit aus Ahlen zu berichten hatte eine Geschichte, die in jene Zeit zurückreichte, als sich seine Spur für mich verwischt hatte. 

Rückblende I

Unsere Bekanntschaft ging auf das gemeinsame Engagement bei den GRÜNEN in der Mitte der 1980er Jahre zurück. Kurz vor der Kommunalwahl 1984 war er bei den GRÜNEN in Ahlen aufgetaucht und hatte mit seiner schwangeren Frau und dem etwa zwei Jahre alten Sohn eine Wohnung in einer Arbeitersiedlung am Stadtrand bezogen. Besonderes Interesse erweckte die Herkunft seiner Frau, die er zusammen mit dem gemeinsamen Kind aus Samoa mitgebracht hatte. Bei einem schon bald abgestatteten Kennenlernbesuch in der Wohnung der Neubürger fanden sich interessierte Parteiaktivisten neben Mutter und Schwester des neuen Parteimitglieds zur Begrüßung des Gastes aus Samoa ein. Wir standen zusammen in einem kahlen Raum, auf dessen Boden eine verschüchterte junge Frau mit ihrem Kind auf einer dünnen Unterlage aus Decken saß, an der Wand standen einige Gepäckstücke, die die gesamte Habe des Paares darstellten. Statt freudiger Begrüßung gab es verhaltenes Lächeln für die samoanische Frau, gefolgt von betretenem Schweigen. Es war wohl allen Anwesenden – ohne es auszusprechen – sehr schnell bewusst, dass eine Begrüßung unter diesen materiellen Bedingungen nicht in angemessener Weise stattfinden konnte. Die einzig angemessene Reaktion auf die Situation war hier Hilfe in jeder Hinsicht.

Schon bald war die Familie mit dem Notwendigsten versorgt und es kam zu ersten persönlichen Kontakten zu der Frau, die außer ihrer Muttersprache nur ein schwer verständliches Englisch sprach. Aus ihren und ihres Mannes Äußerungen wie auch aus den wahrnehmbaren Lebensumständen wurde bald deutlich, dass sich die Frau in totaler Abhängigkeit von ihrem Mann befand und diese Abhängigkeit auch gezielt von ihrem Mann aufrecht erhalten wurde. Sie durfte weder allein zum Einkaufen gehen und nur die Lebensmittel zu sich nehmen, die von ihm eingekauft wurden. Soziale Kontakte wurden durch seine nahezu ständige Abwesenheit weitgehend unmöglich gemacht. Mit diesen Feststellungen konfrontiert, entgegnete der finstere Mann, er wünsche nicht, dass seine Frau in die verdorbene Kultur Deutschlands integriert werde, vielmehr solle sie ihre samoanische Lebensweise beibehalten und er berief sich auf die Zielsetzungen, wie sie von der Partei bzw. der grün-alternativen Bewegung formuliert wurden.

Mit diesem Argument konnte bei den GRÜNEN in jener Zeit sehr vieles gerechtfertigt werden oder zumindest in eine diskussionswürdige Frage verwandelt werden, die damit nicht das Problem der grün-alternativen Bewegung, sondern eine des politischen Establishments wurde. Das Spektrum reichte von der Gewaltanwendung gegen Sachen zur Durchsetzung politischer Ziele, über milde Formen der Päderastie, Auflösung der Bundeswehr bis zu umwälzenden Veränderungen der Wirtschafts- und Sozialsysteme. In diesen Zusammenhang sind auch die erneut aufgenommenen Ansätze der Lebensreform-Bewegung zu stellen, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder für öffentliche Diskussionen sorgten. Zu all diesen Themen und noch mehr fanden sich Programme, Programmentwürfe, Diskussionspapiere und Literatur auf den Büchertischen an den Info-Ständen der GRÜNEN. Auf dem Büchertisch des GRÜNEN-Ortsverbandes lag unter anderem auch ein Sonderdruck der Zeitschrift „Graswurzelrevolution“ mit einem Abdruck aus dem 1920  als fiktive Reiseerzählung verfassten Buch „Der Papalagi“ von dem Schriftsteller Erich Scheurmann. Scheurmann hatte auf Kosten seines Verlags ein Jahr in Samoa gelebt und sollte diesem eine Südseegeschichte abliefern. 

Das Buch handelt von 11 fiktiven Reden eines samoanischen Häuptlings an sein Volk. Er berichtet von seiner Reise nach Europa und warnt sein Volk vor den dort herrschenden Wertvorstellungen. Der Autor erzählt in dem Buch wenig über die Lebensart der Bewohner Samoas sondern lässt den Häuptling die Sicht des Samoaners auf die europäische Kultur zum Ausdruck bringen, wie sie nach Ansicht des deutschen Autors sein sollte. Der Autor benutzt dabei die damals verbreiteten Klischees der Kolonialmächte über die von ihnen unterdrückten Völker und benutzt dazu eine kindlich-naive Ausdrucksweise um einfache Weisheiten zu verkünden.

Die Hintergründe der Entstehung des Textes waren mir nicht bekannt und vielen der angesprochenen Kritikpunkte in der Rede des Häuptlings konnte ich zustimmen, so dass ich in unserem Neuzugang aus Samoa eher einen zum Papalagi mutierten Europäer sah, als den, der er dann später im Lichte der Geschehnisse wurde. Im übrigen war ich nur indirekt durch Dritte mit den Lebensverhältnissen seiner Familie konfrontiert. Von nun an werde ich ihn in dieser Geschichte Papalagi nennen.

Schon nach kurzer Zeit seit ihrer Ankunft in Ahlen kam es bei der Frau des Papalagi aufgrund einseitiger Ernährung – vorwiegend als Linsengerichte – zu Mangelerscheinungen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machten. Der Säugling wurde für die Zeit des Krankenhausaufenthalts in meiner Familie untergebracht. Nach Abschluss der Behandlung reiste die Frau mit dem Kleinkind nach Samoa zurück. Ihr Mann zeigte sich von dieser unfreiwilligen Trennung nicht berührt. Nun konnte er sich ganz der Parteiarbeit widmen und dem kleinen Ortsverband die von ihm gewünschte Kontur geben. Doch das gelang nur bedingt, nämlich nur soweit es um öffentlich wirksame Darstellung der Partei ging, in der innerparteilichen Diskussion hielt er sich weitgehend zurück. Nach der Kommunalwahl wurde das Ratsbüro im Rathaus mit dem Papalagi besetzt, wodurch sein Aktionsradius und seine Einflusssphäre sich nun auch auf die Ratsarbeit der GRÜNEN und die Mitarbeiter im Rathaus erstreckte. Allgemein kann sein politisches Verhalten so charakterisiert werden, dass die fester werdenden Strukturen der im Entstehen begriffenen Partei eher demotivierend auf den Papalagi wirkten und seine Beteiligung an programmatischen und strategischen Diskussionen weitgehend zum Erliegen brachten. Sein Interesse lag in der persönlichen Lebensgestaltung, die mit grün-alternativen Zielsetzungen verbrämt wurden. Hierzu gehörte zum Beispiel sein Kleidungsstil, der betont adrett aus Anzug mit Krawatte bestand, wobei die Kleidungsstücke aus der Kleiderkammer der Caritas beschafft wurden, oder die Anschaffung von teuren Statussymbolen wie etwa eines fabrikneuen Akkordions, das er jedoch nicht bespielen konnte und das auch nie von ihm bespielt wurde. Schließlich streckte er seine Fühler nach Österreich aus, wo er bereits vor seiner Zeit in Ahlen eine alternative Landwirtschaft betrieben hatte und in Konflikt mit den ortsansässigen Bauern und dem Gesetz gekommen war. Dort nahm er Kontakt zu einer Gemeinschaft von Aussteigern auf, die gemeinsam eine Landkommune in Südfrankreich aufbauen wollten. Nach seiner endgültigen Abreise in Richtung Österreich-Südfrankreich verlor sich seine Spur.

Rückblende II

Die folgenden Ereignisse basieren teils auf Angaben des Papalagi selbst, seiner Frau und eigener Wahrnehmung. Der Bericht des Papalagi über seine Erfahrungen in der südfranzösischen Landkommune fiel kurz aus: Die Reglementierungen und Arbeitsbedingungen in der Gemeinschaft entsprachen so gar nicht seinen Vorstellungen und er nahm sein ganz individuelles Aussteigerprojekt wieder auf. Er reiste Frau und Kind nach Samoa nach und wurde dort auf Fürsprache seiner Frau wieder in ihre Familie aufgenommen. Nicht nur das, er bekam eine Arbeitsstelle als Englischlehrer und bezog Sozialleistungen für Frau und Kind aus Deutschland. Aus nicht bekannten Gründen kam er mit Frau und zwei Kindern nach Deutschland zurück und ließ sich in Lindau am Bodensee in sehr bescheidenen Wohnverhältnissen nieder. Es war die Zeit des Niedergangs im real existierenden Sozialismus und es war dem Papalagi gelungen, mit Diplomatenstatus ausgestattet für die Bundesrepublik Deutschland als „Kulturbotschafter“ nach Ungarn entsandt zu werden. Dort unterrichtete er an einem Gymnasium die Fächer Deutsch und Englisch. Auch dort lebte seine samoanische Frau in weit gehender sozialer Isolation, die auch den Kontakt zu ihren Kindern in sprachlicher und erzieherischer Hinsicht einbezog. 

Nach Ablauf des Kulturprogramms in Ungarn schloss sich eine Entsendung nach Bulgarien an. Während dieser Zeit hatte die Familie so sparsam gelebt und gute Einkünfte gehabt, dass die Ersparnisse für die Anschaffung eines Kleintransporters und den Kauf eines Hauses in Ahlen reichte.

Als zu bescheidenem Wohlstand gekommener Hausbesitzer saß mir nun der Papalagi gegenüber. Sein Besuch hatte mich in gemischte Gefühle versetzt und ich konnte mir über mein Verhalten ihm gegenüber nicht schlüssig werden. Einerseits wiesen die beruflichen Aktivitäten und die Investition in Immobilienbesitz konventionelle Züge auf, andererseits hatten sich in seinem Auftreten, seiner persönlichen Ausstrahlung und seinem Stil keine Anzeichen für eine grundlegende Veränderung gezeigt. „Jeder hat eine zweite Chance verdient“ und vor allem seiner Frau und der Kinder wegen beschloss ich, mir nach einer Zeit kritischer Begleitung ein Bild von den neuen Fast-Nachbarn zu machen.

Eine erste Gelegenheit zum Kennenlernen der Familie ergab sich, nachdem der Papalagi mich gebeten hatte, einige handwerkliche und zeichnerische Arbeiten im Zusammenhang mit dem Umbau des ehemals als Friseursalon genutzten Erdgeschosses seiner Haushälfte zu übernehmen. Die Zusammenarbeit zur Erreichung der gesteckten Ziele und die Aufnahme in der Familie gestaltete sich freundschaftlich und wurde zunächst mit Dia-Abenden und Berichten über die Aufenthalte in Samoa, Lindau, Ungarn und Bulgarien fortgesetzt. Die Erläuterungen des Papalagi zu den Bildern von Samoa wurden von seiner Frau häufig korregiert und es zeigten sich in vielen Bewertungen der samoanischen Kultur unterschiedliche Sichtweisen. So etwas kommt unter Eheleuten allgemein häufig vor und hat nicht viel zu sagen – wenn es nicht der Papalagi wäre.

Nach einigen Wochen hörte ich von den ersten Bemühungen des Papalagi um Arbeit. Zunächst war er als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache an der Volkshochschule tätig. Das ging nicht lange gut, da er sich auf Diskussionen um kulturelle Unterschiede im Zusammenhang mit dem Verhalten seiner ausländischen Schüler einließ und pädagogisches Geschick vermissen ließ. Der nächste Anlauf, als Lehrer tätig zu werden, fand in einer sauerländischen Kleinstadt statt. Nach wenigen Monaten erfuhr ich, dass es auch dort Probleme im Lehrer-Schülerverhältnis gegeben habe und die Stellensuche neu beginnen musste. Diese gestaltete sich allerdings nun schwieriger und andere Finanzquellen mussten erschlossen werden. Zu diesem Zweck wurden die Wohnungen des Hauses in Eigentumswohnungen umgewandelt und eine dieser Wohnungen sollte verkauft werden, sobald der noch in ihr wohnende Vorbesitzer des Hauses ausgezogen wäre.

Während dieser Zeit passierte es: eine im Hof abgestellte Schaufensterscheibe des früheren Frisörgeschäfts fiel durch einen heftigen Windstoß um und verursachte an dem im Hof abgestellten Auto des besagten Vorbesitzers einen größeren Schaden, der vom Papalagi zu beheben war. Ihm fehlte das Geld dazu und eine Haftpflichtversicherung hatte er nicht. Um sich des Zugriffs auf sein Vermögen zu entziehen, übertrug er das Haus auf seine Frau und setzte sich selbst als Hausverwalter ein.  

Der geplante Verkauf der Wohnung konnte nach einigen Monaten erfolgen. Seine Zeit verbrachte der Papalagi damit, über den Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) Schüler einzuladen, um die er sich kümmerte. In dieser Funktion konnten wir Kostproben seiner pädagogischen Versuche kennenlernen – Sprüche, die viele von ihren Eltern kennen, wie „bei uns in Deutschland wird der Teller leer gegessen“ – und uns als „Notfallhelfer“ für die Jugendlichen betätigen. Die meisten Jugendlichen mussten in anderen Familien untergebracht werden oder brachen den Austausch ab. Gleichzeitig bemühte sich der Papalagi, eine Anstellung als Lehrer im Ausland zu bekommen und er hatte Erfolg dabei. Erneut ging er als Lehrer nach Ungarn und besuchte seine Familie in Ahlen nur selten. Seine Frau hatte eine Anstellung als Bedienung in einem Cafe angenommen, da sie von ihrem Mann kein Haushaltsgeld bekam. Die Besuche des Papalagi wurden immer seltener und es ergaben sich Hinweise darauf, dass er in Ungarn eine neue Beziehung eingegangen war. Die Konsequenz hieraus war die Scheidung der Ehe, gegen die sich der Papalagi mit allen Mitteln wehrte, da er damit seinen Wohnsitz in „seinem“ Haus verlieren würde. Nach heftigen Auseinandersetzungen, die bis zu körperlicher Gewalt reichten, gelang es, den Ehemann aus der Wohnung zu vertreiben.

Was nun folgte, offenbarte Motive des Papalagi, die nichts mit seiner Sehnsucht nach dem einfachen Leben im Stil des „edlen Wilden“ zu tun hatten, sondern seine narzistische Persönlichkeit in aller Verschlagenheit zum Ausdruck brachten. Zunächst versuchte er, „sein“ Haus zurückzuerhalten indem er die Schenkung an seine Frau wegen Undankbarkeit für ungültig erklären lassen wollte. Gleichzeitig versuchte er, durch Briefe an die Arbeitgeber seiner Frau, deren Ruf soweit zu schädigen, dass sie ihre Anstellung verlieren würde. Er schrieb Briefe ähnlichen Inhalts an das Gymnasium, das von seinen Söhnen besucht wurde und an die Ausländerbehörde, die eine Rückführung seiner Frau nach Samoa veranlassen sollte. Alle diese Bemühungen blieben fruchtlos, doch es gab ja noch den Zugewinnausgleich im Scheidungsverfahren. 

Das Oberlandesgericht Hamm sprach dem Papalagi den halben Wert der beiden verbliebenen Wohnungen zu und setzte den Wert so hoch an, dass eine Beschaffung der Geldmittel zur Befriedigung seines Anspruchs durch seine geschiedene Frau nicht möglich war. Die Festsetzung des Wertes entbehrte jeder nachvollziehbaren Grundlage und brachte in der Urteilsbegründung eine Weltfremdheit zum Ausdruck, die an Frauenfeindlichkeit oder Rassismus oder beides in Kombination erinnerte. Der Richter machte seinem spanischen Namen und der spanischen Geschichte  als Kolonialmacht alle Ehre.

Der Kampf des Papalagi um sein Eigentum nahm nun erst recht Fahrt auf. Als nächstes ließ er auf eine der Wohnungen eine Zwangshypothek zur Sicherung seines Anspruchs eintragen. Darüber hinaus leistete er keinerlei Zahlungen, weder an die Bank für die von ihm eingegangenen Kreditverpflichtungen noch für den Unterhalt seiner Söhne. Auch die gerichtlich gegen ihn durchgesetzten Unterhaltsverpflichtungen wurden nicht erfüllt. Notgedrungen musste er jedoch schließlich einer Aufrechnung seiner Zugewinnansprüche gegen seine Unterhaltspflichten zustimmen.

Seine Bemühungen, seine Familie zurück nach Samoa zu schicken gab er nie auf. Noch bis kurz vor seinem Tod schrieb er an seine geschiedene Frau, er selbst wolle sie und die Kinder auf seinem Segelboot – dessen Bau er wirklich in Auftrag gegeben hatte – nach Samoa begleiten. Eine Zukunft in Deutschland sei auch für die Kinder kein erstrebenswertes Ziel, da das Land im Niedergang begriffen sei.

Was als scheinbar politisch-philosophisch motivierte Geschichte begonnen hatte, endete als Tragödie eines einsamen verbitterten Mannes, der unfähig war, ein gutes Leben zu gestalten.

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Der Berg kreißte und gebar….

Die vergangenen Wochen seit Ende März waren innenpolitisch von den Bemühungen um die Bildung einer neuen Bundesregierung geprägt. Im Fokus der Medien lagen dabei die Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD sowie die von den SPD-Mitgliedern zu billigenden Verhandlungsergebnisse, die ein positives Votum für die Bildung einer großen Koalition beinhalteten. Zu den Verhandlungsergebnissen gab es ein geteiltes Echo – sowohl bei der CDU-Basis wie auch in starkem Maße bei den SPD-Mitgliedern, von deren Votum die Regierungsbildung abhängig war. Seitens der CDU-Mitgliedschaft konzentrierte sich die Kritik auf die auf die CDU entfallende Zahl der Ministerposten, seitens der SPD-Mitglieder jedoch auf die vermisste Orientierung an Zukunftsfragen, die eine Neuausrichtung der Partei zur Folge haben müsste.

Unmittelbar nach Veröffentlichung der Verhandlungsergebnisse entbrannte eine öffentliche Diskussion an der Besetzung der Ministerposten, in deren Zusammenhang in der Öffentlichkeit der Eindruck entstand, dass es entgegen den Beteuerungen der koalierenden Parteien, es ginge um Sachfragen und nur zweitrangig um Personalfragen, nun doch offensichtlich um Postengeschacher ging. Im Zuge dieser Debatte disqualifizierten sich insbesondere der Parteivorsitzende der SPD und der noch geschäftsführend im Amt befindliche SPD-Außenminister durch ihr Verhalten und peinliche Äußerungen in der Öffentlichkeit. Die Umfragewerte der SPD sanken hierdurch auf einen historischen Tiefststand, der zu besorgten Kommentaren über ihre weitere Existenzfähigkeit als Volkspartei Anlass gab. Dennoch gelang es der SPD-Spitze, durch intensives Werben an der Basis eine Mitglieder-Zustimmung zu der ausgehandelten Koalitionsvereinbarung zu erhalten.

Als besonders schwieriges Verhandlungsthema in den GroKo-Verhandlungen galt die von der CSU verlangte Festlegung einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen. Diese Frage erhielt zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit durch den Aufnahmestopp der Essener Tafel für Ausländer.  

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Meldungen über die Ergebnisse der olympischen Winterspiele in Südkorea, bei denen die deutschen Teilnehmer gut abschnitten und damit teilweise die negative Grundstimmung bezüglich der Regierungsbildung überdecken konnten. 

Großes Medieninteresse fand auch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Zulässigkeit von Fahrverboten für Kfz, wenn die von der EU vorgegebenen Grenzwerte für Feinstaubbelastungen nicht anders eingehalten werden können. In diesem Zusammenhang bekamen die Manipulationen der Autoindustrie an Dieselfahrzeugen neue Aktualität.

Innenpolitisch wie auch weltpolitisch zeichnete sich die zunehmende Fokussierung auf militärische Belange ab. Es kann kaum als Zufall angesehen werden, dass Donald Trump die Entwicklung kleiner Atombomben von der Stärke der Hiroshima-Bombe ankündigte und Präsident Putin verbal neue Raketen in Stellung brachte, die NATO-Verteidigungsminister im Vorfeld der Münchener Sicherheitskonferenz über die Modernisierung des Militärs berieten und in Deutschland ein neues NATO-Kommando eingerichtet werden soll. Gleichzeitig verwickelte sich das NATO-Land Türkei immer tiefer in den syrischen Krieg und verkompliziert die militärische Situation immer weiter. Darüber hinaus oder gerade deswegen fordert sie von Deutschland neue Waffenlieferungen.

Daneben zeichnen sich auf Grund der wirtschaftspolitischen Ankündigungen von Donald Trump weitreichende Auswirkungen für die EU-Staaten ab und insbesondere für die wirtschaftliche Situation in Deutschland.

Eine differenziertere Betrachtung der Ereignisse in ihrer Wirkung auf das Gefühlsleben der Menschen in Deutschland ermöglicht die nachfolgende Grafik. Die dargestellten Kurvenverläufe stellen zwar nicht den gefilterten Einfluss öffentlicher und kollektiver Ereignisse dar, jedoch können die impulshaften Ausschläge der Kurven doch als deutliche Signale aus dem kollektiven Bewusstsein gelesen werden.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Ereignisse in Form der Tagesschau-Schlagzeilen aus den 20 Uhr Nachrichten aufgelistet und den für den jeweiligen Tag gemessenen Gefühlsregungen gegenübergestellt.  Die zum Vortag feststellbaren Veränderungen ab einem Ausmaß von mindestens 25% sind ihrer Richtung entsprechend rot (-) oder grün (+) markiert. Zusätzlich ist aus der Summe aller Gefühlsregungen für den jeweiligen Tag eine Gesamttendenz ermittelt worden, die ihren Niederschlag in der farbigen Markierung des jeweiligen Datums nach dem genannten Farbschema findet. Gegenüber früheren Darstellungen wurden die Kriterien Allgemeinbefinden, Aktivität und Offenheit nicht in die tabellarische Auswertung aufgenommen, da sich diese Werte lediglich geringfügig verändern und ihre Aussagen ohne Mühe direkt den Kurvenverläufen entnommen werden können.

Ereignistag Gefühlsspitze Tagesschau-Schlagzeilen
Samstag, 27. Januar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Realos Habeck und Baerbock neue Grünen-Chefs, Union und SPD setzen Koalitionsverhandlungen in Arbeitsgruppen fort, Fast 100 Tote bei Anschlag in Kabul, Zeman als Präsident in Tschechien wiedergewählt, Polizei stoppt Kurden-Demo in Köln, Metall-Tarifparteien verkracht, Holocaust-Gedenktag
Sonntag, 28. Januar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Union und SPD setzen Koalitionsverhandlungen in Arbeitsgruppen fort, Zahl der Abschiebungen deutlich gesunken, Kremlkritiker Nawalny erneut festgenommen, Spanisches Gericht vereitelt Puigdemonts Plan zur Rückkehr ins Amt, Bahn will 19.000 neue Leute einstellen, 1.000 Jahre Wormser Dom, Ikea-Gründer Ingvar Kamprad mit 91 Jahren gestorben
Montag, 29. Januar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Autobauer stehen in Kritik nach Stickoxidtest an Menschen, Ethische Grenzen bei Versuchen an Mensch und Tier, Dieselfahrverbot: Verwaltungsgericht München verhängt Zwangsgeld gegen Freistaat Bayern, Fortsetzung der Koalitionsverhandlungen, SPD-Neumitglieder bekommen Stichtag für GroKo-Votum, Steinmeier besucht Flüchtlingslager Al-Asrak in Jordanien, Reportage: Rückkehr nach Homs, ARD-Recherche zur Manipulation von Dopingtests, Trauer um Swing-Legende Coco Schuman, Holocaust-Gedenktag zur Verfolgung von Sinti und Roma
Dienstag, 30. Januar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Union und SPD einigen sich beim Thema Familiennachzug, Luftschadstoffbelastung: EU-Kommission setzt Bundesregierung Frist, VW beurlaubt Cheflobbyisten Thomas Steg, Großrazzia gegen Schwarzarbeit, BVerfG prüft Legitimität des Fixierens von Psychiatriepatienten, Katalonien vertagt Wiederwahl des Ex-Regionalpräsidenten Puigdemont, Ungarns Ministerpräsident Orban bei Österreichs Kanzler Kurz, USA heben Einreisestopp auf, Bund und Länder wollen begabte Schüler fördern, Zwei-Euro-Münze mit Helmut-Schmidt-Porträt
Mittwoch, 31. Januar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Ganztägige IG-Metall-Warnstreiks, Fortschreitende Koalitionsverhandlungen, AfD-Politiker übernehmen Vorsitz in drei Ausschüssen, Holocaust-Gedenken: Auschwitz-Überlebende Lasker-Wallfisch spricht im Bundestag, Arbeitsmarkt: Mehr Erwerbslose zum Jahresauftakt, Prozess um Sprengstoffanschlag auf Moschee in Dresden, Trump ruft USA zur Einigkeit auf, Gabriel trifft Netanyahu in Jerusalem, Istanbul: Lebenslange Haftstrafen für drei Hauptangeklagte des Anschlags vom Januar 2016, Totale Mondfinsternis in einigen Teilen der Erde
Donnerstag, 01. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Bundestag stimmt für Kompromiss beim Familiennachzug, AfD-Kandidat Reusch nun doch im Parlamentarischen Kontrollgremium, Rentenkompromiss von Union und SPD bei GroKo-Verhandlungen, Parteien einig über bessere Bezahlung in der Pflege, Luftverschmutzung durch Dieselabgase in Städten leicht gesunken, IG Metall weitet Warnstreiks vor neuen Verhandlungen aus, Polen verabschiedet umstrittenes Holocaust-Gesetz, CAS hebt Dopingsperren für Russen auf, 900 Kumpel in Südafrika in Goldmine eingeschlossen
Freitag, 02. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Endspurt bei Koalitionsverhandlungen, Bundesrat stellt Antrag auf Ende der Parteienfinanzierung für NPD, Türkei setzt Offensive gegen Kurdenmilizen fort, 90 Tote nach Kentern von Flüchtlingsschiff, Lage in Calais nach Ausschreitungen, Präsident Trump genehmigt Veröffentlichung von Geheimbericht, Feierlichkeiten in Russland zum 75. Gedenken der Schlacht von Stalingrad, Deutsche Bank schreibt zum dritten Mal in Folge rote Zahlen, Nach Warnstreiks: Verhandlungen im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie werden nächste Woche fortgesetzt
Samstag, 03. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Ringen um letzte Streitpunkte in Koalitionsverhandlungen, Demonstrationen in Cottbus für mehr Weltoffenheit, Demonstrationen in Großbritannien wegen Krise im Nationalen Gesundheitsdienst, Russischer Kampfjet über Syrien abgeschossen, Nordkorea umgeht laut UN-Bericht internationale Sanktionen, USA planen Entwicklung neuer Atomwaffen mit geringerer Sprengkraft, Überreste riesiger Maya-Siedlungen in Guatemala entdeckt
Sonntag, 04. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen GroKo-Verhandlungen gehen in die Verlängerung, Festnahme nach Schüssen auf Migranten in Italien, EU-Kommission setzt auf ein erhöhtes Erweiterungs-Tempo, Bund hat für den G20-Gipfel in Hamburg rund 72 Millionen Euro ausgegeben, Zypern: Amtsinhaber Anastasiades erneut zum Präsidenten gewählt, Hinweise auf Doping-Skandal im Ski-Langlauf, Ergebnisse der Fußball-Bundesliga, Schauspieler Rolf Zacher gestorben
Montag, 05. Februar 2018  Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Koalitionsgespräche gehen in Verlängerung, Berichte über Giftgas-Einsatz in Syrien, Papst Franziskus empfängt Erdogan, Erster Prozess gegen Paris-Attentäter Abdeslam beginnt in Brüssel, Offenbar Fortschritte bei Tarifverhandlungen in Metall- und Elektroindustrie, ThyssenKrupp-Stahlarbeiter stimmen für neuen Tarifvertrag, Brenner-Gipfel berät über Lkw-Staus auf Alpentransit-Route, Mehrjährige Freiheitsstrafen für Mitglieder der „Pflege-Mafia„, Offenbar Veruntreuung in Millionenhöhe im Bistum Eichstätt, Bau und Fall der Berliner Mauer
Dienstag, 06. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Regierungsbildung: Koalitionsverhandlungen gehen in die Schlussrunde, Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie, Dieselskandal: Audi-Zentrale in Ingolstadt durchsucht, Börsenkurse unter Druck, Europa-Parlament will Geoblocking im Online-Handel stoppen, Haftbefehl gegen Julian Assange bleibt bestehen, Politische Krise auf den Malediven, NDR-Recherche: Multiresistente Keime in Gewässern entdeckt, Präsentation der Rosenmontagswagen in Köln und Mainz
Mittwoch, 07. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Union und SPD einigen sich auf Koalitionsvertrag, Kritische Stimmen an der Parteibasis von CDU und SPD zur Koalitionseinigung, Opposition kritisiert Koalitionsvereinbarungen, Reaktionen von Gewerkschaften und Verbänden auf Koalitionsvertrag sind gespalten, EU-Parlament setzt Vizepräsident ab, Bundesgerichtshof stärkt Rechte von Mietern in Heizkostenfragen
Donnerstag, 08. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Reaktionen in den Parteine nach Groko-Einigung, Wirtschaftsverbände kritisieren Pläne zur Digitalisierung, Gewerkschaften haben Forderung für die anstehende Tarifrunde vorgestellt, NSU-Prozess: Plädoyers der Nebenkläger beendet, In Deutschland soll offenbar neues NATO-Kommando für Truppen- und Materialtransporte eingerichtet werden, USA haben nach eigenen Angaben Kämpfer in Syrien getötet, Nach Erdbeben in Taiwan: Zahl der Todesofer gestiegen, EU-Kommision untersucht Vor- und Nachteile der Zeitumstellung, Olympische Winterspiele werden morgen eröffnet, Weiberfastnacht
Freitag, 09. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Martin Schulz verzichtet auf Amt des Außenministers, Auftakt der Juso-Kampagne gegen Große Koalition, Martin Schulz im Portrait, 23. Olympische Winterspiele in Südkorea eröffnet, Russland empört über CAS-Urteil, Lage der syrischen Zivilisten immer dramatischer, Bundesgerichtshof entscheidet über Haftung für Schäden durch Handwerker, Rettungskräfte bergen nach Erdbeben in Taiwan weitere Opfer
Samstag, 10. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Erstes Gold für Deutschland bei Olympia, Nordkorea lädt sükoreanischen Präsidenten ein, SPD-Spitze fordert Ende der Personaldebatte, Führungswechsel bei irischer Partei Sinn Fein, UN fordern zum Handeln in Syrien auf, VdL trifft Regierungsvertreter in Bagdad, Tausende demonstrieren im italienischen Macerata gegen Rassismus, Die Bundesliga, Karnevalsumzüge in Deutschland
Sonntag, 11. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Personaldebatten in Union und SPD halten an, Von der Leyen plant Neuausrichtung des Irak-Einsatzes der Bundeswehr, Israel droht mit weiteren Militäraktionen, Iran: Präsident fordert zu Jahrestag der Revolution mehr Pluralismus, Türkei: Prokurdische Oppositionspartei HDP mit neuem Führungsduo, 71 Tote nach Flugzeugabsturz bei Moskau, Deutsche Biathleten gewinnen olympisches Gold, 22. Spielttag der Fußball-Bundesliga, Schauspielerin Marie Gruber nach schwerer Krankheit gestorben
Montag, 12. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Olympia: Erneut erfolgreicher Tag für Deutsche, Unruhe in den GroKo-Parteien hält an, G20-Krawalle: Verfahren gegen Rote-Flora-Sprecher eingestellt, Kosten des Wiederaufbaus des Iraks auf 88 Milliarden Dollar geschätzt, Trump stellt milliardenschweren Infrastruktur-Plan vor, Landgericht Berlin untersagt Voreinstellungen von Facebook, Teil von Ostseeautobahn A20 inzwischen auf ganzer Breite weggesackt, Zugunglück in der Steiermark, Hunderttausende bei Rosenmontagszügen, Traditioneller Narrensprung in Rottweil
Dienstag, 13. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Martin Schulz tritt vom Parteivorsitz zurück, Bund erwägt kostenlosen Nahverkehr, Meeresspiegel steigt schneller als erwartet, Anti-IS-Konferenz in Kuwait, ANC fordert Präsident Zuma zum Rücktritt auf, Gedenken an den Bombenangriff auf Dresden vor 73 Jahren, Traditioneller Wettstreit der Sambaschulen in Rio de Janeiro, Tanz der Marktweiber in München, Olympische Winterspiele: Geisenberger holt Gold vor Eitberger im Rodeln
Mittwoch, 14. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Schlagabtausch am politischen Aschermittwoch, Yücel seit einem Jahr in Haft, Polen wehrt sich gegen kritische Äußerungen im Ausland, NATO-Verteidigungsminister beraten über Modernisierung des Militärs, Geberkonferenz sagt Irak Milliardenhilfe für Wiederaufbau zu, Israels Polizei empfiehlt Anklage gegen Netanyahu, Südafrikas Präsident Zuma steht vor der Absetzung, Olympische Spiele: Weitere Medaillen für Deutschland
Donnerstag, 15. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Historischer Olympiasieg im Eiskunstlauf, Merkel empfängt türkischen Ministerpräsidenten Yildirim, Südafrikanisches Parlament wählt Ramaphosa zum neuen Präsidenten, Nach UN-Angaben bleibt Afghanistan eines der gefährlichsten Länder, Gabriel trifft Präsidenten des Kosovo in Pristina, 17 Tote nach Amoklauf an US-Schule, Steinmeier kritisiert Poggenburgs Äußerungen, Bilanzskandal um den Möbelkonzern Steinhoff, Eröffnung der 68. Berlinale
Freitag, 16. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen  Journalist Deniz Yücel ist nach Haftentlassung auf dem Weg nach Deutschland, Erleichterung nach Yücels Freilassung, Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz, Polnischer Ministerpräsident Morawiecki besucht Berlin, SPD weiter im Abwind, AfD-Bundesvorstand mahnt Poggenburg ab, Türkei und USA streben Normalisierung der Beziehungen an, Demonstranten in Tel Aviv fordern Rücktritt von Premierminister Netanyahu, Gladbecker Geiselnehmer Degowski aus Haft entlassen, Olympische Winterspiele in Südkorea
Samstag, 17. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Gabriel wirbt bei Münchner Sicherheitskonferenz für starkes Europa, Nach Yücel: Politiker fordern weitere Freilassungen, SPD-Spitze startet Werbetour für GroKo, Wahleinmischung: US-Sonderermittler Mueller klagt 13 Russen an, Olympische Winterspiele
Sonntag, 18. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Abschluss der Münchner Sicherheitskonferenz, Türkei drängt auf Rüstungskooperation mit Deutschland, Bei Flugzeugabsturz im Iran sterben 65 Menschen, 17-jährige Deutsche im Irak wegen Beteiligung an IS-Terror verurteilt, Proteste für schärfere Waffengesetze in den USA, CDU-Generalsekretär Tauber legt sein Amt nieder, Fasten-Aktion christlicher Kirchen, Humanitäre Krise im Jemen, Silbermedaille für deutsche Athleten bei Winter-Olympiade, Olympischer Medaillenspiegel
Montag, 19. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Kramp-Karrenbauer soll CDU-Generalsekretärin werden, Tobias Hans soll neuer Ministerpräsident des Saarlandes werden, Einsatzbereitschaft der Bundeswehr laut Verteidigungsministerium nicht gefährdet, Syrische Regierung will YPG unterstützen, Türkei warnt Syrien, Bundesregierung setzt sich für weitere Freilassungen ein, Bischofskonferenz trifft sich in Ingolstadt, KEF-Kommission erwartet Überschuss bei den Öffentlich-Rechtlichen, Olympische Winterspiele
Dienstag, 20. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen  Wehrbeauftragter stellt schlechtes Zeugnis für die Bundeswehr aus, SPD-Mitglieder stimmen über Koalitionsvertrag ab, EU-Finanzminister beraten über Reaktion auf US-Strafzölle, Türkei bombardiert syrische Kurdengebiete, UNICEF mahnt vor Säuglingssterblichkeit in ärmeren Ländern, Arzt-Bewertungsportale müssen nach BGH-Urteil neutral sein, Gutachten zur Volljährigkeit des mutmaßlichen Täters im Fall Kandel, Deutscher Dreifacherfolg der Kombinierer bei den Olympischen Spielen
Mittwoch, 21. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Syrische Regierungstruppen verstärken Druck auf Ost-Ghouta, Transparency International stellt neuen Korruptionsindex vor, Umweltstudie zu Gesundheitsgefahren von Stickstoffdioxid, Frankreich will Asylgesetze verschärfen, Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bremen: Profifußball muss sich an polizeilichen Mehrkosten für Risikospiele beteiligen, Lärmschutzregeln für Public Viewing bei der Fußball-WM gelockert, Deutsches Bob-Duo Jamanka/Buckwitz holt überraschend Gold, US-Pastor Billy Graham gestorben, Tausende Schüler demonstrieren für schärfere Waffengesetze in Florida
Donnerstag, 22. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Bundesverwaltungsgericht vertagt Entscheidung über Fahrverbote, Razzien bei ehemaligen Vorstandsmitgliedern von Audi, UN-Sicherheitsrat berät über Resolutionsentwurf für Ost-Ghouta, Bundeskanzlerin Merkel verurteilt Angriffe auf Ost-Ghouta, Vorstellung des Jahresberichts von Amnesty International, Präsident Trump trifft Angehörige der Parkland-Opfer, Gedenken zum 75. Todestag der Geschwister Scholl, Bischofskonferenz entscheidet über Abendmahlfeiern, Olympische Winterspiele
Freitag, 23. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Bundestag führt Debatte über Gedenkkultur, EU-Staats- und Regierungschefs beraten in Brüssel über künftigen EU-Haushalt, Keine Einigung des UN-Sicherheitsrats für eine Waffenruhe in Syrien, Deutschland erzielte 2017 Staatsüberschuss, Essener Tafel steht in Kritik im Umgang mit Migranten, Grippewelle erreicht in Deutschland neuen Höhepunkt, Olympia: Deutsches Eishockey-Team im Finale, Michael Schulte vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2018, Trauer um Schauspieler Ulrich Pleitgen
Samstag, 24. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen  Bundesregierung will Rechtsgrundlage für Fahrverbote schaffen, UN-Sicherheitsrat stimmt über Waffenruhe für Syrien ab, US-Firmen distanzieren sich von Waffenlobby NRA, Viele Tote nach Anschlag in Afghanistan, Antike Totenstadt in Ägypten entdeckt, Berlinale 2018 beendet, Olympische Winterspiele
Sonntag, 25. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Bundeskanzlerin Merkel verkündet CDU-Ministerliste für mögliche GroKo, SPD-Parteiführung wirbt auf Ulmer Regionalkonferenz für Große Koalition, UN-Sicherheitsrat fordert 30-tägige Waffenruhe in Syrien, Christliche Kirchenführer schließen aus Protest die Jerusalemer Grabeskirche, Kommunistische Partei will unbegrenzte Amtszeit für Chinas Präsidenten, Politische Bilanz der Olympischen Winterspiele, Der letzte Tag der Spiele in Pyeongchang
Montag, 26. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen CDU-Sonderparteitag ebnet Weg für Große Koalition, Tarifrunde Öffentlicher Dienst: Schwierige Gespräche bislang ohne Ergebnis, EU-Außenminister beraten über Lage in Syrien, Corbyn will nach Brexit Zollunion zwischen EU und Großbritannien, Umfang der Hermes-Bürgschaften für Exporte in die Türkei gestiegen, Explosion in Leicester fordert mindestens fünf Menschenleben, Technik-Neuheiten auf Mobilfunkmesse in Barcelona, Begrüßung der Olympia-Heimkehrer am Frankfurter Flughafen, Trauer um früheren Arbeitsminister Herbert Ehrenberg, Starker Schneefall in Europa legt vielerorts Infrastruktur lahm
Dienstag, 27. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Bundesverwaltungsgericht hält Fahrverbote für zulässig, Reaktionen auf Urteil zu Fahrverboten, Angriffe im syrischen Ost-Ghouta trotz Feuerpause, Griechischer Wirtschaftsminister tritt nach Mietzuschuss-Affäre zurück, EU-Minister beraten über Brexit-Regelungen, Bundesbank erzielt Milliardenüberschuss, Zahl der Verkehrstoten sinkt auf Rekordtief, AfD-Klage gegen Bundesbildungsministerin Wanka erfolgreich, Hoch „Hartmut“ sorgt für Kälterekorde in Deutschland, Niedrige Temperaturen und Schnee in Osteuropa
Mittwoch, 28. Februar 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Hackerangriff auf deutsche Regierung, Diskussion über Fahrverbote nach Diesel-Urteil, US-Finanzinvestoren kaufen HSH Nordbank, Arbeitslosenquote sinkt weiter, EU legt Entwurf für Brexit-Abkommen vor, Hinweise mehren sich über Mafia-Verwicklungen nach Journalistenmord, Grabeskirche in Jerusalem nach Protesten wieder offen, IOC-Sperre für Russland aufgehoben, Kältewelle in Deutschland hält an
Donnerstag, 01. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Kontrollgremium hält Hackerangriff auf Bundesregierung für schwerwiegend, Hintergrund der Cyberattacke, Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit Fall des Attentäters Amri, Tobias Hans ist neuer Ministerpräsident des Saarlandes, EU formuliert schärfere Regeln gegen Lohndumping, Trump kündigt Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte an, Putin spricht in Rede von neuem atomaren Raketensystem, Puigdemont verzichtet auf Präsidentenamt, Bundesgerichtshof hebt Mordurteil gegen Raser auf, Lebenslange Haft für Messerattacke in Hamburger Supermarkt
Freitag, 02. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen EU kündigt Gegenmaßnahmen gegen US-Strafzölle an, Handelsstreit beeinflusst auch Anleger an der Börse, Hackerangriff auf Computernetze des Bundes betrifft auch andere Länder, SPD-Mitgliederentscheid zur GroKo: Frist endet um Mitternacht, Bundesrat: Familiennachzug bleibt bis August ausgesetzt, Britische Premierministerin May hält Grundsatzrede zu Brexit-Plänen, Burkina Faso: Angriffe auf Militärhauptquartier und französische Einrichtungen, Dramatische Lage in Ost-Ghouta, Vier Tote bei Lawinenunglück in Südfrankreich
Samstag, 03. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen SPD-Mitgliedervotum über Zustimmung zum Koalitionsvertrag wird ausgezählt, Italien vor der Parlamentswahl, Ausbildungsstrukturen bei der Bundeswehr auf dem Prüfstand, Berlin: Tausende demonstrieren gegen türkische Militäroffensive in Syrien, Demonstrationen in Kandel, Airbus plant Streichung oder Verlegung von 3600 Stellen, Schwerer Wintersturm legt Ostküste der USA lahm, Videobeweis im Fußball wird dauerhaft in FIFA-Regelwerk aufgenommen
Sonntag, 04. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen SPD-Mitgliedervotum stimmt dem Koalitionsvertrag zu, Union und SPD planen Spitzentreffen zum weiteren Vorgehen, Schweizer Volksentscheid stimmt gegen Abschaffung der Rundfunkgebühren, Nach Journalistenmord: Slowakischer Präsident Kiska fordert Neuwahlen oder Regierungsumbildung, Italien wählt ein neues Parlament, Ergebnisse des 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga, Deutsche Mannschaft reist zu den Paralympischen Winterspielen in Pyeongchang
Montag, 05. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Regierungsbildung bis Mitte nächster Woche geplant, CSU-Chef Seehofer benennt Minister, Bundesregierung entscheidet am Mittwoch über Ausweitung des Bundeswehreinsatzes im Irak, Internationaler Hilfskonvoi erreicht Ost-Ghouta, Keine Regierungsmehrheit für eines der politischen Lager in Italien, Nationaler Volkskongress in China trifft zusammen, Kino-Märchen „Shape Of Water“ erhält vier Oscar-Trophäen
Dienstag, 06. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Hilfslieferungen nach Ost-Ghouta müssen nach Beschuss gestoppt werden, Bundeskabinett berät über Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan, Umweltbundesamt fordert Diesel-Plaketten, Wohlfahrtsverbände fordern Wende in der Armutspolitik, Nord- und Südkorea vereinbaren gemeinsamen Gipfel, Großbritannien droht nach Vorfall in Südengland mit Sanktionen gegen Russland, Russland bereitet sich auf Fußball-WM vor
Mittwoch, 07. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Haftstrafen für Mitglieder der rechtsextremen „Gruppe Freital“, Bundesregierung will Auslandseinsätze der Bundeswehr verlängern, Kritik an AfD-Reise nach Syrien, Immer mehr kurdische Kämpfer schließen sich offenbar dem Widerstand gegen türkische Armee an, Trumps Wirtschaftsberater Cohn zurückgetreten, Strafzölle: EU-Kommission droht USA mit Gegenmaßnahmen, Ermittlungen wegen versuchten Mordes an russischem Ex-Spion in Großbritannien, Stellenabbau bei Airbus, AfD-Politiker Poggenburg offenbar von eigener Fraktion zum Rücktritt aufgefordert, Probleme mit elektrischen Uhren
Donnerstag, 08. März 2018 Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Verteilung der SPD-Ministerposten, Weltfrauentag: Mehrere Politiker setzen sich für mehr Frauenrechte ein, Spanien: Mehr als fünf Millionen Frauen demonstrieren für ihre Rechte, AfD-Politiker Poggenburg kündigt Rückzug von seinen Spitzenämtern an, Trump will Entscheidung über Importzölle auf Stahl und Aluminium bekanntgeben, ver.di: Warnstreiks im öffentlichen Dienst, Gutachten zweifelt an Legitimität von türkischer Offensive in Afrin, Polnischer Präsident Duda bittet Juden um Verzeihung, Mangel an Schulleitern an vielen deutschen Schulen, Personeller Umbruch beim HSV
Freitag, 09. März 2018  Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen GroKo: SPD- Minister stellen sich vor, Donald Trump und Kim Jong-Un vereinbaren Treffen, Trump verhängt Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium, Dt. Wirtschaft äußert sich besorgt zu US-Zöllen, Tausende demonstrieren in der Slowakei nach Mord an Journalisten, Hilfskonvoi erreicht Ost-Ghouta, Paralympics starten in Pyeonchang
Samstag, 10. März 2018  Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen EU und USA führen Gespräche zu Einfuhrzöllen, USA stellen Bedingungen für Treffen von Trump und Kim, Syrische Armee setzt Offensive in Ost-Ghouta fort, Freilassung von Journalisten in der Türkei, Deutschland entgehen Steuer-Milliarden durch Abgastricks der Autohersteller, Deutsche Wirtschaft leidet unter der Grippe, Finanzsenator Peter Tschentscher soll neuer Erster Bürgermeister Hamburgs werden, Erste Medaillen für das deutsche Alpin-Team bei den Paralympischen Spielen
Sonntag, 11. März 2018  Glück, Zufriedenheit, Freude, Kraft, Mut, Hoffnung, Vertrauen Kardinal Lehmann ist verstorben, E.ON will Innogy übernehmen, Japan gedenkt Opfern von Fukushima, Chinesischer Volkskongress verlängert Amtszeit von Präsident Xi, Kolumbien wählt neues Parlament, Französische Partei Front National heißt zukünftig Rassemblement National, Seehofer will schnellere Asylverfahren durchsetzen, Mehrere Bundesländer melden Anschläge auf türkische Einrichtungen, Essener Tafel plant Aufnahmestopp für Ausländer

Die in der Tabelle aufgelisteten Ereignisse können in Verbindung mit den Kurvenverläufen für sich selbst sprechen, doch möchte ich auf zwei besonders markante Zusammenhänge hinweisen. Am 30. Januar wurde die Einigung zwischen SPD und Unionsparteien zur Regelung der Familienzusammenführung für Flüchtlinge bekanntgegeben. Hiernach bleibt der Nachzug von Angehörigen hier lebender Geflüchteter mit niedrigem Schutzstatus bis Ende Juli 2018 ausgesetzt. Anschließend soll er auf 1.000 Fälle pro Monat begrenzt werden. Daneben signalisierten zwei weitere Meldungen einen geringen Fortschritt im Bezug auf Luftschadstoffbelastungen und Lobbyarbeit der Autoindustrie. Insgesamt entstand so der seltene Eindruck eines eindeutig positiv gestimmten Tages. Ein weiteres Ereignis aus dem Themenkomplex Flüchtlinge bewegte am 23. Februar die Gemüter in Deutschland, als die Essener Tafel bekannt gab, zunächst keine weiteren Flüchtlinge zur Versorgung durch die Tafel zuzulassen, da die deutsche Stammkundschaft durch das allzu fordernde Verhalten der Flüchtlinge abgeschreckt würden. Dieses Ereignis löste in der Öffentlichkeit eine Diskussion über Flüchtlinge und Armut im Allgemeinen aus, in der  Jens Spahn (CDU) als designierter Bundesgesundheitsminister mit einer besonders ignoranten Stellungnahme auffiel.

Diese beiden Ereignistage machen noch einmal deutlich, wie sehr das politische Klima in Deutschland durch Verteilungskämpfe und die Ignoranz des oberen Drittels der Wohlstandsgesellschaft bestimmt ist. Sie machen aber auch deutlich, wie gefährlich der von der SPD eingeschlagene Weg in die große Koalition mit der CDU/CSU für ihr Überleben als Volkspartei ist.

Ein abschließender Blick auf die Tabelle und die darin dominierenden Gefühlswerte ergibt eine deutliche Spannung innerhalb der Empfindungen von Kraft, Hoffnung und Glück, also solchen Gefühlen, die in besonderem Maße außerhalb vernunftbestimmter Einflussnahmen bzw. selbstbestimmter Entscheidungen liegen. Eine Übersicht über diese Verhältnisse gebe ich in der folgenden Grafik.


Aus der Grafik ist darüber hinaus abzulesen, welche der sechs dargestellten Kriterien die größte Bedeutung haben (in Klammern die Anzahl der markierten Tage). In der Reihenfolge sind es Vertrauen (24), Hoffnung (21), Kraft (19), Glück (18), Freude (17), Zufriedenheit (16). Es zeigt sich hier, dass die Sensibilität im Bezug auf Vertrauen sehr groß ist und die der Zufriedenheit dagegen sehr gering. Eine Ursache im Bezug auf Vertrauen kann darin liegen, dass es sich bei diesem Gefühl um die weitgehend frei entscheidbare Hingabe an etwas außerhalb der eigenen Person handelt, wogegen es bei der Zufriedenheit weitgehend um einen introspektiven Vorgang handelt. Die nach außen erfahrbar gemachte Zufriedenheit hat deshalb eine gewisse Hürde zu überwinden, die individuell verschieden ist. In jedem Fall ist die Bewegung im Verlauf der Zufriedenheitskurve ein sehr aussagekräftiger Hinweis, der deshalb auch in der Marktforschung eine große Rolle spielt (Kundenzufriedenheit).

Im nächsten Schritt ein Blick auf die Veränderungen in den Trendverläufen der gemessenen Gefühlswerte. In der unten stehenden Grafik sind einige gravierende Veränderungen gegenüber dem vorhergehenden Beobachtungszeitraum zu sehen. Die vormals waagerecht verlaufende Linie für Vertrauen ist nun in einen deutlich negativen Trend übergegangen, die Trendlinie für Glück zeigt eine Trendumkehr von negativ zu positiv, die bisher im Wartestand verharrende Hoffnung ist nun in einen negativen Trend übergegangen, wogegen der sinkende Mut nun in einen schwachen Trendanstieg übergegangen ist. Im Gesamtbild ergibt sich jedoch durch die nahezu waagerecht verlaufenden Trendlinie des Allgemeinbefindens und der Gesamtlinie aus allen Parametern nur eine geringe Veränderung. Besonders hinzuweisen ist noch auf die verstärkten Trends von Offenheit und Aktivität.

In der nachfolgenden Grafik sind die langfristigen Trends für den gesamten beobachteten Zeitraum dargestellt. Hier hebt sich die Trendlinie der Zufriedenheit mit ihrer negativen Ausrichtung deutlich von den übrigen Trends ab. Andererseits gibt es einige Trends mit weniger starken Veränderungstendenzen, die in positive Richtung zeigen. Hierzu gehören insbesondere Kraft, Mut und Aktivität. Insgesamt ist jedoch eine schwache Abwärtstendenz beim Allgemeinbefinden und der Gesamtlinie für die dargestellten Parameter zu sehen.

 

Als Fazit ist festzuhalten, dass eine deutliche Unzufriedenheit in der deutschen Gesellschaft besteht, die sich jedoch nicht in anderen hier untersuchten Gefühlsäußerungen niederschlägt, und daher zu ihrer Aufklärung weiterer Kriterien bedarf. Die Gegenüberstellung von täglichen Nachrichten und öffentlichen Gefühlsregungen bestätigt oberflächlich die Vermutung, dass hierbei die Situation der Flüchtlinge in Deutschland eine große Rolle spielt. Hierin bestätigen sich auch meine subjektiven Eindrücke, die ich aus den Medien gewonnen habe. Daneben wird auch die Meinung verbreitet, es handle sich bei dieser Unzufriedenheit um eine Charakterschwäche einzelner Milieus und somit um notorische Nörgelei. Diese Haltung verkennt die Umsetzung und Verstärkung dieser Gefühle auf und durch wirksame politische Kräfte der neuen Rechten, die sehr schnell ein „typisch deutsches“ Gepräge bekommen können und zu einer Revision deutscher Vergangenheit und damit zur Vertiefung bereits im Ansatz vorhandener Isolation in der Völkergemeinschaft führen kann. Es gilt deshalb in der vorhandenen Unzufriedenheit eine Aufforderung zu sehen, die Zusammenhänge weiter aufzuklären und aktiv darauf einzuwirken. Dazu reicht es nicht, endlose Fernseh-Talksendungen zu veranstalten, die üblicherweise beim Zuschauer große Ratlosigkeit hinterlassen und bei den Teilnehmern Zufriedenheit erzeugen – nach dem Motto „gut, dass wir mal darüber geredet haben“. Durch diese Art von politischer Diskussion vergrößert sich das Gefühl politischer Ohnmacht und das Handlungsdefizit der politisch Verantwortlichen kann weiter wachsen.

Mit diesen persönlichen Feststellungen beende ich die fortlaufende Beobachtung der Gefühlswelt in Deutschland und ich werde mich hier im Rahmen neuer Themenschwerpunkte und zu einzelnen politischen Ereignissen weiter sporadisch äußern.

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