Aus meinem Leben
Mein Name ist Wilhelm Börger. Ich wurde 1949 in der Nähe von Münster (Westf.) geboren. Nach einer Vermessungstechniker-Lehre und der erfolgreichen Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte ich ein Ingenieurstudium. Seit 36 Jahren bin ich nun als Stadtplaner tätig. Im Zweitberuf bin ich Heilpraktiker und Baubiologe.
Schon früh bin ich durch einen Lehrer an der Berufsschule auf ganzheitliche Denkweisen hingelenkt worden. Dieser Lehrer, der als Vertretung in unserer Klasse unterrichtete, machte uns auf den sehr aktuellen französischen Jesuiten und Paläontologen Pierre Teilhard de Chardin aufmerksam. Kurze Zeit später fand ich einen günstige Sonderausgabe seines Hauptwerkes „Der Mensch im Kosmos“ in der Buchauslage vor einer Buchhandlung und ich erwarb mein erstes philosophisch-theologisch ausgerichtetes Buch. Ich las es mit großem Interesse und war nach der Lektüre voll entflammt für den Menschen Teilhard de Chardin und seine Darlegung zur Evolution und deren bewusster Vollendung durch das Christentum.
Nebenbei bestätigte der Konflikt zwischen Teilhard und der katholischen Kirche meine kritische Haltung zum Katholizismus, der mir insbesondere wegen seiner Sexualfeindlichkeit weltfremd erschien. Darin wurde ich unter anderem durch die 1963 stattgefundene Volksmission an meiner Schule bestärkt, deren wichtigstes Ziel zu sein schien, jeglichen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe unter den Fluch von Geschlechtskrankheiten zu stellen. Eine weitere Begebenheit stimmte mich nachdenklich: Meine Mutter erzählte mir von einer vertrauten Frau, sie habe ihren Pfarrer um Rat gebeten, wie oft sie mit ihrem Mann Geschlechtsverkehr haben dürfe. Ihr Mann könne gar nicht genug bekommen. Wenn ich mich nicht irre, war der empfohlene Standard zweimal die Woche.
Teilhard’s Ideen und Einsichten wurden für mich zum Maßstab des Weltgeschehens. Aus ihnen schöpfte ich Deutungskraft und Hoffnung auf die Zukunft. So wurden für mich die unruhigen Jahre der Studentenbewegung und der APO zu einem Teilaspekt der von Teilhard gesehenen Aufbrüche und Vernetzungen gegen die verkrusteten Strukturen eines wissenschaftlichen Reduktionismus und Positivismus. Doch dies war nicht die Bewegung, die mich mit meiner katholischen Grundausstattung und dem begrenzten Einblick in die Welt der Wissenschaften aktivieren konnte. Ich war ein bescheidenes Arbeiterkind und hatte von den vielen Ikonen dieser Zeit wie Mao, Marx und Che Guevara nur aus dritten Quellen erfahren und mir ein vages Bild gemacht, das mich nicht aufnehmen konnte. Auf der anderen Seite standen die neuen Perspektiven eines Welt zugewandten Katholizismus, wie er im zweiten vatikanischen Konzil entworfen wurde. So wurde ich kein „68-er“, sondern Einer der das, was geschah in einem höheren Sinn als notwendig ansah.
So ging es weiter über die Zeit der APO, der RAF, des „mehr Demokratie wagen“ aus dem Mund von Willy Brandt bis hin zur Gründung der Partei „Die Grünen“, die aus der Anti-Atom-Bewegung, den Bürgerinitiativen „gegen dies und das“ und den zahlreichen lokalen Politikaufbrüchen wie auch den zahlreichen K-Gruppen entstanden waren. Wieder keimte in mir die Hoffnung auf, nun könne es vielleicht doch zu einem umfassenden Neubeginn im politischen wie auch im alltäglichen Leben kommen. Ansätze waren jedenfalls genügend vorhanden. Es gab Arbeitsgemeinschaften zu nahezu allen Themen, die für eine Neugestaltung des Lebens bedeutsam sein konnten, vor allem auch solche, die sich mit Spiritualität und Politik befassten. Bestärkt in meiner Haltung wurde ich durch Rudolf Bahro, der als ausgebürgerter DDR-Dissident einen Neuanfang bei den Grünen versuchte und das spirituelle Element in die Politik einzubeziehen versuchte. Zum ersten Mal in meinem Leben begann ich, mich ernsthaft für Politik zu interessieren.
Ich engagierte mich bei den Grünen in der Kommunalpolitik, bis schließlich die rot-grüne Bundesregierung gebildet war. Für mich stand damit fest, dass wesentliche Inhalte grüner Politik über Bord geworfen worden waren und die Machterhaltung zum Leitmotiv werden würde, was sich auch in der Regierung Schröder mehr und mehr zeigte.
Nun stand ich da als politischer Mensch, dem die Politik abhanden gekommen war. Ich besann mich auf den geistigen Weg, der mich aus der Partei heraus geführt hatte und der mich weiterleiten sollte. Es war insbesondere die von dem amerikanischen Philosophen Ken Wilber zusammengetragene Perspektive der integralen Theorie, die unter anderem auf Teilhard und der ewigen Philosophie basiert und eine entschiedene Gegenposition zum herrschenden Reduktionismus darstellt, die mir neuen Mut gab und mich zu den jetzt begonnenen Internetprojekten führte.