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Zitate aus dem Buch "Jonathan Shay: Achill in Vietnam - Kampftrauma und Persönlichkeitsverlust; Hamburger Editions HIS Verlagsges. mbH; Hamburg, 1998"

Verrat an "dem, was recht ist."

Jeder Fall von traumatischer psychischer Verletzung stellt eine ständige Herausforderung an die Rechtschaffenheit der gesellschaftlichen Ordnung dar.

(Judith Lewis Herman: Harvard-Trauma-Kongreß, 1990)

Die Verengung des Gesichtskreises

Durch thèmis (= griech. Göttin der Ordnung und Gerechtigkeit) können Menschen sich selbst stabilisieren…Zerstörung der Konvention (themis) durch Handlungen eines anderen kann…stabile Charaktere…zerstören…Sie kann ganz einfach zur Entmenschlichung führen, zum völligen Verlust menschlicher Beziehungen.

(Martha C. Nussbaum, The Fragility of Goodness: Luck and Ethics in Greek Tragedy and Philosophy)

Schmerz über den Tod eines engen Kameraden

Wenn sie weinen, zeigen diese Menschen ihre Würde.

(Martha C. Nussbaum, Einführung zu "The Bacchae, S. XL )

Schuld und unrechtmäßige Stellvertretung

Ich hätte selber auf diese Scheißpatrouille gehen sollen.

(Ein Veteran der Luftlandetruppen)

Berserkerwut

Also wütete rings mit dem Speer Achill wie ein Dämon.

(Ilias, XX,493)

Dem Feind die Ehre nehmen

So hat dein Knecht den Löwen und
den Bären erschlagen, und diesem un-
beschnittenen Philister soll es ergehen
wie einem von ihnen.

(Samuel 17,36)

Wovon Homer nicht spricht

Soldatenschicksal und Gottes Wille

Der Zufall schreitet unter uns
in dunkler Raserei,
um einzuhalten,
zu wählen,
und weiterzuschreiten.
Und die Erwählten liegen da wie gefunden.
Die Erwählten.

(Vietnamveteran W. T. Edmonds, Jr.)

Das Glück kennt weder Gründe, noch
weiß es, "was recht ist".

(Palladas von Alexandria)

Die Götter der Ilias als Metapher für gesellschaftliche Macht

"Götter verkörpern die allersublimsten menschlichen Hoffnungen.
Götter stellen das Bollwerk der Moral und der öffentlichen Ordnung dar.
Götter gewährleisten inneren Frieden.
Götter veredeln und zivilisieren die Menschheit."

(Buchzitat Jonathan Shay: "Achill in Vietnam")

Die Bruchstellen der moralischen Existenz: Was zerbricht?

Oh mein Gemahl, was seid Ihr so allein?
Für welchen Fehl war ich seit vierzehn Tagen
Ein Weib, verbannt aus meines Heinrichs Bett?
Sag, süßer Gatte, was beraubt dich so
Der Eßlust, Freude und des goldnen Schlafs?
Was heftest du die Augen auf die Erde
Und fährst so oft, wenn du allein bist, auf?
Warum verlorst du deiner Wangen Frische?
Gabst meine Schätze und mein Recht an dich
Starrsehndem Grübeln und verhaßter Schwermut?
Ich habe dich bewacht in leichtem Schlummer
Und dich vom ehrnen Kriege murmeln hören,
Dein bäumend Roß mit Ritterworten lenken
Und rufen: Frisch ins Feld! Da sprachest du
Von Ausfall und von Rückzug, von Gezelten,
Laufgräben, Palisaden, Parapetten,
Feldschlangen, Basilisken und Kanonen,
Gefangner Lösung und erschlagnen Kriegern,
Und jedem Vorfall einer heißen Schlacht.
Dein Geist in dir ist so im Krieg gewesen
Und hat im Schlafe so dich aufgeregt,
Daß Perlen Schweißes auf der Stirn dir standen,
Wie Blasen in dem erst getrübten Strom.

(William Shakespeare, "König Heinrich der Vierte, 1. Teil, 2. Akt, 3. Szene; nach der Übersetzung von A. W. Schlegel)

Heilung und Tragödie

Ich möchte, dass dies der letzte Krieg meines Lebens ist.

(Ein zwölfjähriges bosnisches Mädchen in einem Flüchtlingslager)

Keine weiteren Scheißkriege mehr!

(Ein amerikanischer Angehöriger der Luftlandetruppen mit vier Phasen von Fronteinsätzen in Vietnam)